Kirchlicher Friedensbeauftragter spricht sich gegen Waffenlieferungen aus

Nachricht 17. Oktober 2014

Hannover (epd). Angesichts der zunehmenden weltweiten Konflikte hofft der Friedensbeauftragte in der hannoverschen Landeskirche, Lutz Krügener, auf ein Erstarken der Friedensbewegung in Deutschland. "Wir brauchen Stimmen, die deutlich machen, es gibt andere Mittel als nur die militärischen", sagte der Pastor im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Einzelne äußern sich zwar und die Stimmung in der Bevölkerung ist zum Beispiel gegen Waffenlieferungen in die Krisengebiete. Dies alles müsste jetzt eine Bewegung aufgreifen."

Derzeit berieten Friedensgruppen, wie ihr Anliegen wieder mehr Gehör finden kann, erläuterte Krügener. Die traditionellen Ostermärsche der Friedensbewegung haben seit Jahren deutlich weniger Menschen auf die Straße gebracht als noch in der 1980er Jahren. Das könnte sich nach Einschätzung des Pastors durch die zahlreichen Kriege in der Welt und die dadurch ausgelösten Flüchtlingsbewegungen ändern. "Diese Flüchtlinge leben in unserer Nähe, ihr Schicksal berührt uns. Damit berühren uns auch die Ursachen ihrer Flucht, die Kriege."

Krügener sprach sich vehement gegen Waffenlieferungen zum Kampf gegen die Terrormiliz IS im Nordirak aus. Er kritisierte die Waffenlieferungen der Bundesrepublik an Saudi-Arabien, Katar und andere an dem Konflikt Beteiligte. "Waffen kämen am Ende immer in die falschen Hände. "Dieser Region fehlt es an ganz vielem", sagte der Pastor. "An Waffen fehlt es dort aber nicht."

Wichtig sei es, Gebiete zu sichern, in denen Menschen auf der Flucht Schutz vor der Waffengewalt finden. Die Vereinten Nationen müssten hier die entscheidende Rolle spielen. Sie sollten zum Beispiel dazu ermächtigt werden, besonders ausgebildete Polizeikräfte zum Schutz der Bevölkerung in solche Gebiete zu schicken. "Nur der UNO darf nach dem Völkerrecht in besonderen Situationen Gewaltanwendung zugestanden werden. Dafür bräuchte es dringend einer Reform."

Zivile Formen der Konfliktlösung müssten gestärkt werden, forderte der evangelische Pastor. Deutschland gebe derzeit für einen Aktionsplan für zivile Konfliktlösungen 30 Millionen Euro im Jahr aus. Der Rüstungsetat liege mehr als 100 mal höher. Weltweit werde jährlich die unvorstellbare Summe von 1,7 Billiarden Euro für Rüstung ausgegeben. Die Vereinten Nationen, die versuchten, Konflikte mit zivilen Mitteln zu lösen, hätte gerade mal 2 Milliarden zur Verfügung. Es sei falsch, Pazifisten vorzuwerfen, sie seien naiv, sagte Krügener: "Es ist naiv, zu glauben, dass Militäreinsätze Konflikte lösen."

epd-Gespräch: Karen Miether

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