Hospizexperte fordert Ausbau von Sterbebegleitung in Heimen

Nachricht 10. Oktober 2014

Zum 11. Oktober, Welthospiztag

Celle/Hildesheim (epd). Um alle Menschen zum Lebensende angemessen zu betreuen, muss nach Ansicht des Hospizexperten Ulrich Domdey mehr in die Pflege investiert werden. Die meisten Menschen stürben in Altenheimen und Krankenhäusern, sagte der Vorsitzende der Hospiz Landesarbeitsgemeinschaft Niedersachsen anlässlich des Welthospiztages am Sonnabend im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Doch zu oft fehlten dort die Voraussetzungen, um Menschen wie in Hospizen oder den eigenen vier Wänden mit Würde in der letzten Lebensphase zu begleiten.

Die Palliativmedizin, die Todkranken Schmerzen ersparen soll, sei erst seit 2010 fester Bestandteil der Ärzteausbildung, sagte Domdey. Für Pflegepersonal gebe es ebenfalls seit einigen Jahren eine Zusatzausbildung in Palliativpflege. Allerdings könne dieses Zusatzangebot von den Heimen nicht abgerechnet werden und sei bei engem Personalschlüssel in der nötigen Qualität zumeist nicht zu leisten. "Von einer verlässlichen Struktur sind wir weit entfernt."

Zur Landesarbeitsgemeinschaft mit Sitz in Celle zählen 24 stationäre Hospize und rund 130 Hospizgruppen. In ihnen engagieren sich knapp 800 haupt- und rund 15.000 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Vor zwanzig Jahren gab es nach den Worten des zu den Pionieren der Bewegung in Niedersachsen zählenden Theologen aus Hildesheim gerade mal 13 von Ehrenamtlichen gegründete Hospizinitiativen. "Inzwischen ist die Bürgerbewegung zu einem Teil der Gesundheitsversorgung geworden."

Durch Fortschritte der Medizin werde die Zahl der Menschen steigen, die längere Zeit auf Pflege angewiesen sind. "Wir brauchen weiter freiwilliges Engagement und einen Bürger-Profi-Mix, um dieser Herausforderung gerecht zu werden", betonte Domdey. Große Familienverbände gebe es nur noch selten. Die Anonymität der Menschen und mit ihr die Angst, am Lebensende allein zu sein deshalb nehme zu. "In dieser Situation ist die Hospizarbeit eine moderne Nachbarschaftshilfe."

Zwar sei der Tod gesellschaftlich nicht mehr ein so großes Tabuthema wie noch vor einigen Jahren. Mit der Endlichkeit des eigenen Lebens setzten sich aber nur die wenigsten auseinander, sagte Domdey. "Das ist verständlich, ich interessiere mich auch erst dann für Computer oder Autos, wenn ich sie brauche." Dennoch sei es wichtig, das Thema ins gesellschaftliche Bewusstsein zu rücken. Die Landesarbeitsgemeinschaft habe deshalb unter anderem ein Projekt "Hospiz macht Schule" ins Leben gerufen. "Jeder sollte wissen, wo er Hilfe bekommt, wenn es ihn betrifft."

epd-Gespräch: Karen Miether

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