Kirchenamtspräsidentin Springer: Kirche muss Missstände anprangern

Nachricht 01. Oktober 2014

Aurich/Hannover (epd). Die Kirche muss nach Ansicht der Verwaltungschefin der hannoverschen Landeskirche, Stephanie Springer, gesellschaftliche Missstände vehement anprangern. Dazu gehöre beispielsweise die Behandlung von Flüchtlingen an und innerhalb der europäischen Grenzen, sagte die Präsidentin des Landeskirchenamtes in Hannover am Mittwochabend beim Jahresempfang des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Aurich.

Die Kirche übernehme als ein Gegenüber zum Staat Verantwortung für die Welt, sagte die promovierte Juristin laut Redemanuskript. Damit mache sie keine Politik, "aber sie macht Politik möglich". Maßstab für kirchliches Handeln müsse dabei die biblische Botschaft sein: "Dazu gehören die Anvertrauung der Schöpfung, die aus der Gottesebenbildlichkeit folgende Menschenwürde, und das solidaritätsstiftende Gleichnis vom barmherzigen Samariter."

Eine glaubwürdige Kirche dürfe auch zu radikalen Äußerungen greifen, hob Springer hervor. Sie erinnerte an den vielbeachteten Weihnachtsgruß des hannoverschen Landesbischofs Ralf Meister vom vergangenen Jahr. Er hatte eine Karte verschickt mit dem Foto eines völlig überladenen Flüchtlingsbootes unmittelbar vor der Mittelmeer-Insel Lampedusa. Meister habe das Bild unter der Überschrift "Denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge" in einem unmittelbaren Zusammenhang zu den Flüchtlingen Josef und Maria in der Weihnachtsgeschichte gestellt, erläuterte die Präsidentin der mit knapp 2,8 Millionen Mitgliedern größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. 

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen