Ein Fest des Lebens

Nachricht 26. März 2016

Von Landessuperintendent Hans-Christian Brandy (Stade)

Mit einem Entenei in der Hand beeindruckte einst Katharina von Alexandrien den damals mächtigsten Mann der Welt. Der römische Kaiser Maxentius hatte ihr eine anscheinend unlösbare Aufgabe gestellt: Sie solle ihm einen Stein bringen, der lebendig werde. Dann erst werde er ihr glauben, was sie ihm von Jesus von Nazareth und seiner Auf-erstehung von den Toten erzählt habe.

Da Katharina nicht nur gläubig, sondern auch schlau war (was immer eine gute Kombination ist), kam sie auf eine Idee: Sie nahm ein fast ausgebrütetes Entenei und hielt es dem Kaiser entgegen. Es sah aus wie ein Stein, doch einen Moment später bröckelte die Schale und ein Küken begann, aus dem Ei zu schlüpfen. „Scheinbar tot – und doch der Beginn von neuem Leben“, sagte Katharina. Noch lange erzählte man sich, wie nachdenklich der Kaiser durch dieses Beispiel geworden war.

Eine schöne Legende, die zu erklären versucht, warum es das Osterei gibt. Und was dieses Ei eigentlich mit der christlichen Botschaft zu tun hat, mit der Auferstehung Jesu von den Toten: Das Osterei als Symbol der Auferstehung, als Zeichen dafür, dass Gott neues Leben schenkt. Auch wenn alles scheinbar dagegen spricht.

Bei den russisch-orthodoxen Christen ist Ostern nicht nur das wichtigste Fest im Jahr, sondern die Familien gehen am Ostersonntag auf den Friedhof, trinken und essen am Grab ihrer Verstorbenen. Es soll dort sehr festlich, aber auch richtig fröhlich zugehen. Denn an den Gräbern der Familie wird ge-feiert, dass das Leben über den Tod siegt. Mit einem heißen Tee, gefärbten Eiern, frischem Brot - und auch dem einen oder anderen Glas Wodka. Ein Prost auf das Le-ben!

Auch bei uns gibt es Osterfeiern auf den Friedhöfen. Dort wo getrauert wird, ist es an Ostern zuerst zu hören: „Fürchtet euch nicht! Christus ist auferstanden!“ Das ist ein gutes Bild für Ostern.

Ostern ist die grandiose Botschaft, dass der Tod nicht das letzte Wort behält und mit ihm alle Kräfte, die uns belasten und zerstören wollen. Auch wo uns Steine auf der Seele liegen. Gott kann sie wegrollen wie den Stein vor dem Grab Jesu. Auch wo das Leben mal hart erscheint wie ein Stein: Im Licht von Ostern kann das aufbrechen und neues Leben entstehen.
Selbst wenn es uns vielleicht nicht bewusst ist: Mit jedem Osterei, das wir verschenken oder an einen Frühlingszweig hängen, geben wir auch eine Botschaft weiter: Ostern ist das Fest des Lebens.

Gott hat die Gewalt des Todes zerstört und schenkt neues Leben. So transportiert auch jedes Ei diese Ermutigung: Auf neue Wege ins Leben in allen steinhart festgefahrenen Situationen, in denen es nicht mehr weiter zu gehen scheint. Und auf Hoffnung auf Leben in Gottes Hand in Zeit und Ewigkeit.  

Dr. Hans Christian Brandy, Regionalbischof für den Sprengel Stade