"Jetzt füreinander einstehen"

Nachricht 23. März 2016
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Nach den Terroranschlaegen in Bruessel am 22.03.2016 bekundeten viele Menschen auch in Deutschland ihre Anteilnahme. Bild: Rolf Zöller/epd-bild 

Oldenburg/Hannover/Leer (epd). Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, hat angesichts des islamistischen Terrors davor gewarnt von Glaubenskrieg oder einem Kampf der Kulturen zu sprechen. "Man muss mit solcher Rhetorik aufpassen. Hier geht es um Terroristen, um Kriminelle", sagte Bedford-Strohm der Oldenburger "Nordwest-Zeitung" (Donnerstagsausgabe). "Wir dürfen ihnen nicht zu viel Macht geben. Unsere Aufgabe ist jetzt, füreinander einzustehen und die gemeinsamen Werte Europas umso stärker zu vertreten."

Der Bischof forderte zudem, mehr in Integration zu investieren. "Was immer wir tun können, um Integration zu befördern, muss geschehen." In den Stadtvierteln, aus denen die Terroristen kommen, sei in dieser Hinsicht viel schiefgelaufen. "Wer nach Europa kommt, muss die Sprache lernen, unsere Rechtsordnung akzeptieren und in unserer Gesellschaft teilhaben können."

Bedford-Strohm begrüßte, dass die Muslime in Deutschland nach dem Attentat von Brüssel noch einmal betont hätten, dass Terror in tiefem Widerspruch zum Islam stehe. "Die Berufung auf den Namen Gottes bei der Ausübung von Terrorismus ist nichts anderes als Gotteslästerung."

Darüber hinaus sei es jetzt wichtig, sich weiter auf diplomatischem Weg um eine Lösung für Syrien zu bemühen, sagte der Ratsvorsitzende. "Da gibt es inzwischen einige Hoffnungszeichen. Die vereinbarte Waffenruhe hätte man vor kurzem nicht für möglich gehalten. Auf diesem Weg muss es weitergehen."

Martin Heimbucher, leitender Theologe der Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz in Leer, hat nach den Terroranschlägen von Brüssel zur Besonnenheit aufgerufen. Gott stehe auf der Seite der Menschen, die Gewalt erleiden müssten, sagte der Kirchenpräsident in einer Botschaft zum Karfreitag (25. März): "Gottes Liebe ist stärker als die Gewalt, die ein Mensch dem Anderen antut. Denn sie heilt die Wunden, die wir einander zufügen - auch wenn Narben bleiben." An Karfreitag erinnern Christen an den Tod Jesu am Kreuz.

Die "schwer bewaffneten Handlanger des Todes" könnten zwar Menschen verletzen, traumatisieren und auch töten, unterstrich Heimbucher. "Aber sie reißen niemanden aus Gottes Hand." Christen antworteten auf Gewalt nicht mit neuer Gewalt, sondern mit Besonnenheit. Darum gehe es bei Jesu Gebot der Feindesliebe. Terror sei eine Vergötzung des Todes. Das auf Karfreitag folgende Osterfest sei dagegen ein "Bekenntnis zum Gott des Lebens".

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