Erste Integrationskonferenz berät über Sprachkurse für Flüchtlinge

Nachricht 16. März 2016
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Grafik: Staatskanzlei Niedersachsen

Hannover (epd). Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat dazu aufgerufen, Flüchtlinge in die deutsche Gesellschaft einzugliedern. "Wenn Integration gelingt, ist eine Gesellschaft stärker geworden, als sie vorher war", sagte er am Mittwoch in Hannover bei der ersten Integrationskonferenz des Aktionsbündnisses "Niedersachsen packt an!". Eine zentrale Rolle spiele dabei das Erlernen der deutschen Sprache. "Das ist die Basis, auf der dieser Prozess gelingen kann. Ohne die wird es ganz schwer." In den Sprachkursen könnten zugleich die Werte der deutschen Gesellschaft vermittelt werden.

Diakonie-Vorstandssprecher Christoph Künkel forderte zentral gesteuerte Konzepte, nach denen die Haupt- und Ehrenamtlichen vor Ort mit den Flüchtlingen arbeiten könnten. Nicht jede Organisation müsse alles neu erfinden, die Ideen müssten zusammengeführt und vernetzt werden. "Das Know-how ist vorhanden, wir müssen es nur auf den Tisch legen." Er wünsche sich, dass die Verantwortlichen die Probleme aus der Perspektive der Flüchtlinge betrachteten, betonte Künkel: "Da haben wir erheblichen Nachholbedarf."

Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) forderte, die Sprachkurse müssten sehr schnell beginnen, sobald die Flüchtlinge auf die Kommunen verteilt seien: "Eine gelungene Integration funktioniert nur dann, wenn wir die Menschen nicht monate- oder jahrelang ohne Sprachangebote lassen." Wichtig sei eine "lückenlose Bildungskette": Bereits während der Sprachkurse müssten berufliche Vorerfahrungen der Asylbewerber ermittelt und Kontakte zur Bundesanstalt für Arbeit geknüpft werden.

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) sagte, die Schulen unternähmen bereits erhebliche Anstrengungen, um Flüchtlingskindern die deutsche Sprache beizubringen: "Viele Kinder, die hier ankommen, erleben zum ersten Mal seit ihrer Flucht einen einigermaßen strukturierten Tagesablauf."

Im vergangenen Jahr waren etwa 100.000 Flüchtlinge nach Niedersachsen gekommen. Das entspreche etwa der Einwohnerzahl von Hildesheim, unterstrich Ministerpräsident Weil. Die Integration der Flüchtlinge sei eine dankbare Aufgabe: "Wenn wir es richtig machen, legen wir die Grundlagen dafür, dass wir ein gutes Leben haben werden in Deutschland."

Zu der Konferenz trafen sich rund 500 Teilnehmer aus Kommunen, Verbänden, Kirchen, Gewerkschaften und Unternehmen im Kongresszentrum. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie möglichst viele Flüchtlinge rasch Deutsch lernen können. In Workshops ging es um die Suche nach geeigneten Lehrkräften, um die Rolle von Freiwilligen als Sprachbegleiter und um die Rolle des Internets. Auf einem "Markt der Möglichkeiten" stellten sich mehr als 30 Bildungsinitiativen und Buchverlage vor.

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