Kirchen und Rabbiner werben für Integration von Flüchtlingen

Nachricht 06. März 2016
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Bild: epd-bild/mck

Hannover (epd). Leitende Repräsentanten der christlichen Kirchen und jüdische Rabbiner wollen sich gemeinsam gegen Fremdenhass und für die Integration von Flüchtlingen einsetzen. Die deutsche Hilfsbereitschaft bei der Aufnahme von Flüchtlingen werde international aufmerksam wahrgenommen, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, am Montag in Hannover: "In allen Ländern, in denen ich in jüngster Zeit unterwegs war, habe ich Anerkennung und Hochachtung für die großzügige Aufnahme der Flüchtlinge in Deutschland gehört."

Bedford-Strohm sprach bei einem Treffen evangelischer und katholischer Kirchenvertreter mit Mitgliedern der Allgemeinen und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz zur "Woche der Brüderlichkeit". Bei der Aufnahme von Flüchtlingen "müssen wir unseren Blick über Europa ausweiten", betonte der bayerische Landesbischof. Gerade die Nachbarstaaten Syriens, aber auch Länder in Afrika nähmen eine hohe Zahl an Flüchtlingen auf. Er sei dankbar dafür, dass die Religionsgemeinschaften in Deutschland in der Flüchtlingsfrage "große Gemeinsamkeiten" hätten, sagte Bedford-Strohm.

Der Berliner Rabbiner Andreas Nachama erinnerte an den Zuzug der Hugenotten nach Deutschland im 17. Jahrhundert oder die jüdische Einwanderung nach Israel. Integration sei keine neue Herausforderung: "Jüdische Gemeinden weltweit haben große Erfahrung beim Thema Integration, denn Juden wurden und werden immer wieder aus ihren Heimatländern vertrieben." Nachama warnte davor, heutigen Flüchtlingen aus arabischen Ländern "eben mal so generell Antisemitismus oder antichristliche Haltungen zu unterstellen". Dies könne eine unzulässige Verallgemeinerung sein.

Der stellvertretende Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Norbert Trelle, übte scharfe Kritik an der islamfeindlichen "Pegida"-Bewegung. "Es ist mir schlichtweg unverständlich, wie man meinen kann, mit fremdenfeindlichen und nicht selten menschenverachtenden Parolen und Handlungen das christliche Abendland zu verteidigen", sagte der Hildesheimer Bischof laut Redemanuskript. "Um es unmissverständlich zu formulieren: Fremdenhass ist mit der christlichen Botschaft unvereinbar." Trelle plädierte für die Aufnahme von Flüchtlingen durch humanitäre Kontingente in Europa.

Die "Woche der Brüderlichkeit" war am Sonntag von Bundespräsident Joachim Gauck in Hannover eröffnet worden. Dabei finden bundesweit Veranstaltungen zur Verständigung zwischen Juden und Christen statt. Seit 2006 kommen Repräsentanten der beiden großen Kirchen und der Rabbinerkonferenz regelmäßig zu Gesprächen zusammen.

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