Iraner-Seelsorger: Räumung von Calais ist wie "Katz-und-Maus-Spiel"

Nachricht 29. Februar 2016

Hannover (epd). Die Teilräumung des Flüchtlingslagers von Calais ist nach Ansicht des Iraner-Seelsorgers Günther Oborski eine Art "Katz-und-Maus-Spiel" zwischen den Migranten und den französischen Behörden. Immer wieder seien in den vergangenen Wochen die provisorischen Unterkünfte entlang der Kanalküste abgerissen oder abgebaut worden, sagte der Pastor der hannoverschen Landeskirche am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Flüchtlinge hätten diese dann an anderer Stelle wieder aufgebaut. Bei Dünkirchen entstehe derzeit ein ähnlich großes Lager.

Oborski hatte im vergangenen August das Flüchtlingslager an der französischen Küste besucht. Das Evangelisch-lutherische Missionswerk in Niedersachsen zeigt in der Ausstellung "Fluch(t)räume - Menschen auf der Flucht" ab dem 11. März unter anderem Fotos seiner Reise.

Die Räumung führe zwangsläufig dazu, dass die Flüchtlinge eine Entscheidung treffen müssten: "Entweder sie halten am Traum von England fest oder sie bleiben in Frankreich", sagte Oborski. Wenn sie weiterhin versuchten, nach Großbritannien zu gelangen, setzten sie damit vielleicht ihr Leben aufs Spiel. Immer wieder kämen allerdings neue Migranten an, um in der Nähe der Häfen auf eine Weiterreise nach England zu warten.

Am Montag hatte die Räumung des Flüchtlingslagers, das international als "Dschungel" bekanntgeworden war, unter Polizeischutz begonnen. Ein Gericht hatte zuvor die Anordnung zur Räumung für zulässig erklärt. Bulldozer und Einsatzkräfte rissen die provisorischen Unterkünfte der Migranten ein. Dabei ist es zwischen den Einsatzkräften und protestierenden Bewohnern und Unterstützern zu schweren Auseinandersetzungen gekommen.

Die Ausstellung des Missionswerks ist bis zum 31. Juli im Ludwig-Harms-Haus in Hermannsburg bei Celle zu sehen. Acht Stationen mit Fotos, Zeugnissen von Flüchtlingen oder Videoinstallationen zeichneten dabei den Weg eines Flüchtenden nach. Das weltweit tätige Missionswerk unterhält Kontakte zu Partnerkirchen in zwölf Ländern.

Öffnungszeiten: montags bis sonnabends 9-18 Uhr, sonntags ab 11 Uhr, Eintritt frei

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