Christliche Fundamentalisten sind starke Gruppe in der AfD - Kirchliche Initiative gegen Rechtsextremismus will Ängsten von Menschen begegnen

Nachricht 18. Februar 2016
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Unser Kreuz hat keine Haken; Bild: HkD

Hannover/Münster (epd). Christliche Fundamentalisten spielen nach Ansicht des Soziologen Andreas Kemper innerhalb der rechtspopulistischen AfD eine wichtige Rolle. "Ideologisch gesehen sind sie sehr stark in der AfD, besonders in Baden-Württemberg", sagte Kemper am Freitag in Hannover bei einer Versammlung der Initiative "Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus" in Hannover. Auch im Erzgebirge sei diese Gruppierung deutlich vertreten, erläuterte der Publizist aus Münster, der seit einigen Jahren über die Partei forscht.

Die christlichen Fundamentalisten in der AfD stünden auch der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung nahe, sagte Kemper. "Sie sagen, es ist eine Christenpflicht, da mitzumarschieren." Vor allem in Baden-Württemberg wendeten sie sich unter anderem gegen die Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern, die sie als "Genderwahn" abtäten, erläuterte er. Die unterschiedlichen Flügel der AfD verbinde, dass sie gegen eine Gleichstellung von Menschen seien. So träte der neo-liberale Zweig für einen weitgehenden Sozialabbau ein, der völkisch-nationale bediene den Rassismus.

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Initiative "Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus"

Die 2010 in der hannoverschen Landeskirche gegründete Initiative gegen Rechtsextremismus tritt nach Worten ihres Geschäftsführers Lutz Krügener gegen menschenfeindliche Haltungen ein. "Das gilt auch dort, wo wir diese innerhalb der Kirche finden", sagte der evangelische Pastor. Angesichts der zunehmenden Flüchtlingszahlen gewinne die Frage an Bedeutung, wie mit Ängsten vor Veränderungen umgegangen werden könne. Die Initiative plane zum Beispiel ein Angebot, um Berufe wie Pfarrsekretärinnen und Küsterinnen zu schulen. Sie seien oft die ersten, die mit Anfragen verängstigter Menschen konfrontiert würden.

Unter dem Dach der Initiative engagieren sich den Angaben zufolge mittlerweile rund 90 Kirchenkreise, Gemeinden, Einrichtungen und Einzelpersonen. Derzeit berate sie unter anderem Gemeinden in Duderstadt und Northeim. Dort engagieren sich die Kirche und Bürgerbündnisse gegen Aktivitäten des als äußerst rechts geltenden "Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen". Nach Angaben von Gerd Bücker vom "Zentrum Demokratische Bildung" in Wolfsburg wurden zum Jahreswechsel insgesamt rund 1.500 Personen in Niedersachsen der organisierten rechtsextremen Szene zugerechnet.  

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