Neue Etappe im Denkmalstreit um Corvinuskirche

Nachricht 16. Februar 2016

Hannover (epd). Im Denkmalstreit um die frühere evangelische Corvinuskirche in Hannover hat die Kirchengemeinde am Mittwoch den Entwurf für einen möglichen Umbau des 1962 errichteten Gebäudes vorgestellt. Aus einem Ideenwettbewerb ging ein Entwurf des Architekturbüros Pax-Brüning aus Hannover als Sieger hervor. Die Gemeinde wolle sich jedoch als zweite Möglichkeit offenhalten, an dem Standort ein neues Gemeindezentrum zu bauen und dafür das alte Kirchengebäude abzureißen, sagte Pastor Lüder Meyer-Stiens: "Wir haben eine Etappe abgeschlossen, der Prozess ist offen." Die Abrissidee sorgte in den vergangenen drei Jahren für hitzige Diskussionen, die bis vor das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg führten.

Meyer-Stiens lobte die große Kreativität des Umbau-Entwurfs. Danach sollen Gruppenräume, eine Küche, Sanitäranlagen, ein Büro und ein Archiv in den denkmalgeschützten Kirchenraum eingebaut werden. Weitere Gruppenräume werden nach den Plänen von außen angebaut. Die Orgel wird versetzt. Bis zum Sommer soll nun ein unabhängiger Gutachter im Auftrag der hannoverschen Landeskirche prüfen, ob ein Umbau wirtschaftlich vertretbar ist. Die Gemeinde werde beide Varianten "ehrlich und seriös" prüfen, betonte der Pastor: "Eine Gemeinde muss sich das Gebäude, das sie bewohnt und belebt, auch auf Dauer leisten können."

Die Gemeinde Ledeburg-Stöcken, die 2006 aus einer Fusion zweier Nachbargemeinden hervorging, hatte die Corvinuskirche 2012 entwidmet. Sie wollte ursprünglich eine freiwerdende katholische Kirche in ihrer Mitte kaufen, um einen Neuanfang zu starten. Doch diese Pläne scheiterten.

Dem Architekten-Wettbewerb ging ein erbitterter Rechtsstreit um den Denkmalschutz für die Corvinuskirche voraus. Vor allem die Erben des Architekten Roderich Schröder wehrten sich gegen einen Abriss des Klinkerbaus und schalteten die Denkmalpflege ein, die das Gebäude unter Schutz stellte. Das Oberverwaltungsgericht gab dem Landesdenkmalamt 2014 recht. Aus rechtlicher Sicht kann die Kirche jedoch auch ein Denkmal abreißen, wenn seine Erhaltung wirtschaftlich unzumutbar ist.

Das Architektenbüro Pax-Brüning hatte für die evangelische Kirche bereits das Michaeliskloster in Hildesheim zu einem modernen Tagungszentrum umgebaut. Der neue Entwurf für die Corvinuskirche gehe sehr behutsam mit den vorhandenen Räumen um und mache zugleich deutlich, dass es für die Gemeinde um einen Neubeginn gehe, sagte der Leitende Baudirektor im Landeskirchenamt in Hannover, Werner Lemke.

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