Menschenrechtler kritisieren Türkei für Flüchtlingspolitik

Nachricht 07. Februar 2016

Göttingen (epd). Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat die türkische Regierung für ihren Umgang mit Flüchtlingen scharf kritisiert. Der Staat verhalte sich nicht nur gegenüber den Syrern, die an der türkisch-syrischen Grenze in der Kälte ausharren müssten, inhuman, teilte die Göttinger Menschenrechtsorganisation am Montag mit. Die türkische Regierung verhindere zudem die Versorgung von Flüchtlingen in der kurdischen Region Afrin im Nordwesten Syriens, weil sie die Grenze nicht öffne. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war am Montag nach Ankara gereist, um mit Ministerpräsident Ahmet Davutoglu und Präsident Recep Tayyip Erdogan über die Flüchtlingskrise zu sprechen.

Der Gesellschaft zufolge werde die etwa 100 Kilometer lange Grenze zur Türkei in der Region Afrin für Zivilisten immer schwerer passierbar. Die türkische Regierung lasse die Menschen in den Regionen Nordsyriens, darunter Kurden, Araber, Jesiden, Sunniten und Aleviten "aushungern", weil sie autonome kurdische Regionen verhindern wolle. Die Region hatte sich 2012 gegen die Widerstände des syrischen Regimes und der islamistischen Opposition für autonom erklärt. Seitdem werde sie ständig von radikalislamistischen Gruppen bedroht. Seit 2012 haben den Angaben zufolge rund 300.000 arabische Flüchtlinge dort Zuflucht gefunden.

Auch die Situation an dem geschlossenen Grenzübergang Bab al-Salam sei der "Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte" zufolge dramatisch, hieß es. Dort warteten mehrere Zehntausend Syrer aus Aleppo seit Tagen verzweifelt auf die Grenzöffnung. Die Türkei habe insgesamt rund 2,5 Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Die meisten von ihnen verdienten dort als billige Arbeitskräfte ihren Lebensunterhalt selbst. Auch viele Minderjährige versuchten, ihre Familien mittels Schwarzarbeit unter "unsäglichen Bedingungen" zu unterstützen.  

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