Abschied von früherem Ministerpräsidenten Ernst Albrecht

Nachricht 19. Dezember 2014

Burgdorf/Reg. Hannover (epd). Rund 700 Menschen haben mit einer Trauerfeier in Burgdorf bei Hannover Abschied von dem früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht genommen. In der voll besetzten evangelischen St.-Pankratius-Kirche kamen am Sonnabend Familie, Freunde und Weggefährten zusammen, darunter auch Niedersachsens ehemaliger Ministerpräsident David McAllister als CDU-Landeschef. Der Christdemokrat und Vater von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) war vor einer Woche im Alter von 84 Jahren nach langer Krankheit auf dem Familien-Anwesen in Burgdorf-Beinhorn gestorben. Zuletzt litt er mehr als zehn Jahre an Alzheimer.

In der Predigt würdigte der evangelische Pastor Michael Schulze Albrechts Lebenswerk als Beitrag zu einem vereinten Europa in Frieden, Freiheit und Wohlstand. Ministerin von der Leyen sowie ihre Brüder lasen zu Ehren ihres Vaters Texte aus der Bibel. Albrechts Sarg stand im Altarraum mit Blumen geschmückt und von Kränzen gesäumt, die unter anderem von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundespräsident Joachim Gauck sowie den Spitzen des Landes Niedersachsen und der CDU kamen.

Zu der Feier war unter anderem eine Gruppe jener vietnamesischen Flüchtlinge nach Burgdorf gekommen, die Albrecht 1978 nach Niedersachsen geholt hatte. Die Landesregierung ehrt Albrecht am Montag (22. Dezember) mit einem Staatsakt im hannoverschen Opernhaus. Albrecht soll auf dem Familiengut in Beinhorn neben seiner 2002 gestorbenen Frau Heidi Adele beigesetzt werden.

Albrecht war von 1976 bis 1990 als erster CDU-Politiker Ministerpräsident in Niedersachsen, nachdem er zuvor für Institutionen der heutigen Europäischen Union gearbeitet hatte. Zu den wichtigsten Entscheidungen seiner Amtszeit habe die Aufnahme der tausend Bootsflüchtlinge aus Vietnam gehört, sagte Pastor Schulze. Im Bundesrat habe Albrecht die Zustimmung der unionsregierten Bundesländer zur Aussöhnung mit Polen organisiert.

Als Sohn eines Bremer Arztes habe Albrecht als Jugendlicher die Gräuel des Krieges direkt mitbekommen. "Er wollte mitarbeiten an einem neuen Deutschland", sagte Schulze. Der 1930 geborene Politiker sei geprägt gewesen von der "Aufbruchstimmung" nach dem Krieg und den existenziellen Fragen der damaligen Generation. Deshalb habe Albrecht neben Volkswirtschaft und Jura auch zeitweise Philosophie und Theologie studiert. Im christlichen Glauben habe er seinen "Hort und Anker im Leben" gefunden, sagte der Pastor, der der Familie seit langem als Seelsorger verbunden ist.

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