Landesbischof Meister sieht Gesetze zur Sterbehilfe kritisch

Nachricht 27. November 2014

Kritik an der Neuregelung der Sterbehilfe und Diskussionen um den Haushalt bestimmten die hannoversche Synode am Donnerstag. Die größte evangelische Landeskirche Deutschlands gibt allerdings gleichgeschlechtlichen Paaren künftig ihren Segen.

Hannover (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister sieht eine gesetzliche Neuregelung der Sterbehilfe, wie sie im Bundestag diskutiert wird, kritisch. "Diese Debatte ist außerordentlich wichtig für unsere Gesellschaft", sagte Meister am Donnerstag in Hannover in seinem turnusgemäßen Bericht vor der Synode der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Ein neues Gesetz sei aber problematisch, wenn damit auch Gewissensentscheidungen von Ärzten einer strafrechtlichen Kontrolle unterworfen würden.

Der Bundestag diskutiert zurzeit über eine Neuregelung bei der Sterbehilfe. Weitgehende Einigkeit besteht beim geplanten Verbot organisierter und kommerzieller Sterbehilfe. Umstritten ist, ob Mediziner in eng umgrenzten Fällen die Möglichkeit erhalten sollen, bei der Selbsttötung von schwerstkranken Patienten zu assistieren. Meister sagte, kein Gesetz werde alle Fragen abschließend lösen. Letztlich gehe es immer um sehr individuelle Entscheidungen.

Der Bischof stellte vor dem Kirchenparlament zudem eine neue Handreichung für die Segnung gleichgeschlechtlicher Lebenspartner in öffentlichen Gottesdiensten vor. Damit ermöglicht jetzt auch die größte evangelische Landeskirche in Deutschland die Segnung, die dort seit Jahrzehnten heftig umstritten war. Fürbittgottesdienste für homosexuelle Paare gibt es dort allerdings schon länger.

Bei den neuen Segnungsgottesdiensten ist es möglich, dass sich die Partner gegenseitig ein Versprechen geben und Ringe wechseln. Meister zufolge können sich Pastorinnen oder Pastoren aus Gewissensgründen jedoch auch weigern, die Segnung selbst vorzunehmen, und sie an eine andere Gemeinde abgeben. Diesen Wunsch äußerten jedoch nur wenige.

Die Finanzen der Landeskirche bewegen sich nach zehnjährigem Sparkurs unterdessen wieder in ruhigem Fahrwasser. Der Haushalt sei weitgehend saniert, erläuterte Finanzchef Rolf Krämer. Der Sparkurs könne deshalb vorübergehend ausgesetzt, wenn auch nicht völlig aufgegeben werden. Seit 2004 hatte die Landessynode wegen sinkender Kirchensteuern die Zuschüsse für die mehr als 1.200 Kirchengemeinden zwischen Göttingen und Cuxhaven sowie für ihre übergemeindliche Einrichtungen zum Teil massiv gekürzt, um Defizite zu vermeiden. "Das beschert uns heute einen erheblichen Handlungsspielraum."

Seit einiger Zeit sprudelten die Kirchensteuer wieder. Krämer rechnet deshalb für das laufende Jahr mit Einnahmen von rund 520 Millionen Euro - deutlich mehr als eingeplant. In den nächsten beiden Jahren werde sich dieser Trend voraussichtlich fortsetzen. Der Haushaltsentwurf für 2015 liegt bei insgesamt 575 Millionen Euro, für 2016 ist ein Etat von 578 Millionen geplant. Mehr als 90 Prozent der davon werden aus Kirchensteuern finanziert. Um mögliche Rückgänge abzufedern, will die Landeskirche eine "Risiko-Rücklage" aufbauen.

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