Bischof Meister: Europas Kirchen müssen im Gespräch bleiben

Nachricht 25. November 2014

Hildesheim (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat die evangelischen Kirchen in Europa dazu aufgerufen, "in Geduld und Demut" miteinander im Gespräch zu bleiben. Erstmals diskutieren bei einem internationalen Kirchenkongress in Hildesheim bis Freitag rund 50 Vertreter der Mitgliedskirchen der "Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa" (GEKE) über das gemeinsame Verständnis von Gottesdiensten und Abendmahl. "Den anderen in Liebe zu ertragen und sich dabei um Einigkeit zu bemühen, dass fällt uns manchmal schon innerhalb unserer Kirchen schwer", sagte Meister am Mittwoch im Eröffnungsgottesdienst.

Der Austausch über unterschiedliche biblische Auslegungen und Glaubenspraktiken sei keineswegs nur "Theologengezänk", sagte der evangelische Landesbischof laut Predigtmanuskript. In den verschiedenen Kirchen gebe es sehr wohl Unterschiede in der Interpretation biblischer Texte oder in der Gestaltung der Gottesdienste. Es gehe um den verantwortungsvollen Umgang mit den je eigenen Traditionen, den Glaubensüberzeugungen und des Gewissens.

Fragen wie beispielsweise der Umgang mit Homosexualität seien zu einer Zerreißprobe zwischen den Kirchen geworden, sagte Meister: "Wir halten eine solche Frage nicht aus, wenn wir uns nicht mit dem Verständnis begegnen: Der andere könnte in seiner Deutung auch Recht haben."

Die Behauptung, es dürfe keine Meinungsverschiedenheiten oder unterschiedliche Glaubenpraktiken geben, sei Unfug. Wesentlich sei die Tatsache, dass alle Kirchen aus einer gemeinsamen Vergangenheit kämen und in eine gemeinsame Zukunft gingen, unterstrich der
Bischof der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland: "Wir kommen aus der einen Taufe." Dadurch seien alle Christinnen und Christen wie in einem Band miteinander verbunden.

Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa umfasst 94 protestantische Kirchen, darunter lutherische, reformierte, unierte, methodistische und vorreformatorische Kirchen. Der Dachverband vertritt rund 50 Millionen Protestanten.

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