Bischof Meister: Bußtag als gesellschaftlichen Lerntag einführen

Nachricht 19. November 2014

Hannover (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat dafür geworben, den Buß- und Bettag wieder zu einem gesetzlichen Feiertag zu machen. "Wenn wir ihn als gesellschaftlichen Lern-Tag für Frieden und Gerechtigkeit verstehen, müssen wir darüber nachdenken, ihn wieder einzuführen", sagte der evangelische Bischof im Bußtagsgottesdienst am Mittwoch in der Marktkirche in Hannover. "Wir wollen einen gemeinsamen Weg des Friedens und der Gerechtigkeit ohne ideologische und religiöse Grabenkämpfe finden."

Meister erinnerte an den Beginn des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren. Damals sei auch die evangelische Kirche Irrwege gegangen und habe den Krieg begrüßt, sagte er seinem Manuskript zufolge. Von der Ehre für das Vaterland zu kämpfen sei die Rede gewesen. "Und Gott sollte diesen Kampf und diese Ehre segnen." Diese Haltung sei in bischöflichen Stellungnahmen ebenso angeklungen wie auch in Predigten zum Buß- und Bettag.

"Buß- und Bettag 2014 heißt auch, einen sehr kritischen und mahnenden Blick auf diese Zeit zu werfen", unterstrich der Bischof. Die Kirche habe lange gebraucht, bis sie sich aus ihrer Kriegsbegeisterung befreite. "Zwei Weltkriege und unzählige andere kriegerische Auseinandersetzungen brauchte es, um endlich ganz deutlich den radikalen Auftrag zum Frieden im Leben Jesu zu lesen." Brüche im Denken seien auch heute noch nötig. "Buße, Umkehr, Neubeginn sind ein lebenslanger Lernprozess, jeden Tag neu."

Der Buß- und Bettag thematisiert die Frage der Schuld und des christlichen Umgangs mit ihr in Buße, Beichte und Gebet. 1532 im reformatorischen Straßburg offiziell eingeführt, wurde der Feiertag 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung in allen Bundesländern außer in Sachsen ersatzlos gestrichen. Die evangelische Kirche bezeichnet die Abschaffung bis heute als Fehlentscheidung.

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