Landessuperintendent Rathing appelliert zu Erntedank an Macht der Verbraucher

Nachricht 02. Oktober 2013

Lüneburg/Ebstorf (epd/red). Der Lüneburger Landessuperintendent Dieter Rathing hat vor dem Erntedankfest an diesem Sonntag die Verbraucher aufgerufen, sich über die Herkunft ihrer Lebensmittel zu informieren. "Es gibt eine starke Macht der Verbraucher", unterstrich Rathing am Mittwoch beim Besuch einer Berufsschule für Landwirte in Ebstorf bei Uelzen. Sie könnten auch darauf Einfluss nehmen, wie Landwirte produzierten.

Rathing hat eine Woche lang landwirtschaftliche Betriebe und Einrichtungen in seinem Kirchensprengel zwischen Harburg, Celle, Lüchow-Dannenberg und Walsrode besucht. Darunter war ein konventioneller Mastbetrieb mit mehr als 100.000 Hühnern ebenso wie ökologisch wirtschaftende Höfe. Am Sonntag hält er die Erntedankpredigt im Landwirtschaftlichen Bildungszentrum Echem bei Lüneburg.

Im vergangenen Jahr hatte es in Niedersachsen einen Konflikt um Erntedankpredigten gegeben, der schließlich gütlich beigelegt wurde. Landwirte hatten sich durch einige Predigten angegriffen gefühlt. Daraufhin hatte der Landvolkverband seine Mitglieder dazu aufgefordert, sie sollten mitteilen, wenn sich Pastoren "überzogen kritisch" etwa zu Fragen der Massentierhaltung geäußert hätten. Die Umfrage stieß wiederum auf Kritik.

Rathing sagte, es sei nicht die Aufgabe der Kirche, landwirtschaftliche Fachfragen zu beantworten. Die Kirche könne nur das Gewissen schärfen, damit jeder selbst verantwortliche Entscheidungen treffen könne. Viele Pastorinnen und Pastoren seien allerdings in den Dörfern gut verwurzelt. Eine Distanz zu den Landwirten gebe es eher in den Städten. Er rief aber auch die Bauern auf, ihre Höfe zu öffnen. "Wenn etwas nicht mehr gezeigt und vermittelt werden kann, ist für mich eine Grenze überschritten."

Von Gräben zwischen den Landwirten und Verbrauchern sprachen auch junge Landwirte, mit denen Rathing in Ebstorf diskutierte. Die Menschen seien nicht dazu bereit, für die von ihnen geforderte Qualität der Produkte auch zu bezahlen, sagte Stefan Becker, der die Fachschule für Agrarwissenschaften besucht. Seine Mitschülerin Kristin Meyer regte an, Schulklassen sollten häufiger landwirtschaftliche Betriebe besuchen. Zu viele Kinder wüssten nicht mehr, wie Lebensmittel produziert werden.

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen