Ökumenischer Festgottesdienst zum Tag der Deutschen Einheit

Nachricht 02. Oktober 2014

Hannover (epd). Mit einem ökumenischen Fernsehgottesdienst haben Spitzenvertreter von Bund und Ländern am Freitag in Hannover den Tag der Deutschen Einheit gefeiert. Unter den rund 800 geladenen Gästen in der evangelischen Marktkirche waren Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). In der Predigt unterstrich der Ratsvorsitzende der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Bischof Ralf Meister, die Menschheit gehöre weltweit zusammen wie eine Familie. Erstmals sprachen in einem Gottesdienst zum Einheitstag Vertreter der Juden und Muslime.

Meister sagte, Religion oder Herkunft dürften nicht bestimmend sein für menschliche Begegnungen. Der Gedanke der Menschheitsfamilie habe sich erst in der Neuzeit entwickelt, doch er sei bis heute noch keine Wirklichkeit. Der Bischof erinnerte dabei an den Krieg in Syrien und im Nordirak: "Verzweifelt sehen wir Verfolgung, Vertreibung und unglaubliche Brutalität." Er ging auch auf die Situation der Flüchtlinge ein. "Europas Humanität wird im Mittelmeer verspielt", sagte er.

Die Aufgabe und Stärke der großen Religionsgemeinschaften sei angesichts dieser Probleme nicht, bessere politische Vorschläge zu machen, sondern neue und weite Räume zum Nachdenken zu öffnen, betonte Meister. Der Gottesdienst unter dem Motto "Dem Fremden zum Nächsten werden" wurde live vom ZDF übertragen und von einem Kinderchor mitgestaltet. Zuwanderer aus Vietnam, Spanien und Schlesien und erzählten aus ihren persönlichen Lebensgeschichten.

Der Hildesheimer katholische Bischof Norbert Trelle nannte als größte Gefahren für die Einheit den bröckelnden Zusammenhalt zwischen den Generationen und die Ausgrenzung der Fremden: "Dieser Ausgrenzung stellen wir uns öffentlich in den Weg", sagte er. Zu den Mitwirkenden in dem Festgottesdienst gehörte auch der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos.

In einer "Friedensbotschaft" zeigte sich der jüdische Landesrabbiner Jonah Sievers bestürzt über die neu aufkeimende Judenfeindlichkeit in Deutschland: "Im vergangenen Sommer mussten wir Sprechchöre auf unseren Straßen hören, von denen man nicht glaubte, sie jemals wieder hören zu müssen." Antisemitismus sei ein "Angriff auf unsere gesamte Gesellschaft", mahnte er und erinnerte an eine Kundgebung gegen Judenfeindlichkeit vor drei Wochen in Berlin. Er hätte sich gewünscht, dass nicht nur die jüdischen Gemeinden dazu aufgerufen hätten, betonte der Rabbiner.

Für die Muslime in Niedersachsen sagte ihr Verbandsvorsitzender Avni Altiner, sie verstünden sich als "fester Bestandteil" der deutschen Gesellschaft: "Der Tag der Deutschen Einheit führt uns Muslimen vor Augen, wie wichtig die Werte Einigkeit, Freiheit und Demokratie sind." Altiner distanzierte sich zugleich von der Gewalt islamistischer Terrorgruppen in Syrien und im Irak. "Ihre Taten widersprechen den Werten des Islam wie den universalen Menschenrechten", sagte er..

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Mehr Informationen zum Gottesdienst

„Dem Fremden zum Nächsten werden“ ist das Thema des Ökumenischen Festgottesdienstes zum Tag der Deutschen Einheit, den das ZDF am 3. Oktober 2014 live um 10.00 Uhr zur Eröffnung der zentralen Feierlichkeiten aus der Marktkirche St. Georgii et Jacobi in Hannover überträgt.

Aktuelle Aspekte aus der biblischen Erzählung vom Barmherzigen Samariter stehen 25 Jahre nach dem Fall der Mauer im Mittelpunkt dieses Gottesdienstes, den Landesbischof Ralf Meister (Ratsvorsitzender der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen), Bischof Norbert Trelle und Metropolit Augoustinos gemeinsam gestalten. Die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Niedersachsen, Dr. Gabriele Lachner, hält die Lesungen. Landesrabbiner Jonah Sievers und der Vorsitzende der Schura in Niedersachsen, Avni Altiner, sprechen einen Friedensgruß.

Musikalisch gestaltet wird der Gottesdienst vom Kinderchor der Marktkirchengemeinde Hannover unter der Leitung von Lisa Laage-Smidt, vom Domchor Hildesheim und der Mädchenkantorei der Hildesheimer Dommusik, geleitet von Thomas Viezens, und von Ulfert Smidt an der Goll-Orgel der Marktkirche Hannover.

Im Gottesdienst berichten drei Menschen unterschiedlicher Herkunft und Generation aus ihrem Alltag und fragen nach der Realität von Integration und gelungenem Miteinander von Fremdem und Nächstem.

Das Land Niedersachsen richtet die zentralen Feierlichkeiten zum diesjährigen Nationalfeiertag aus und hat neben Spitzenvertretern aus Staat, Politik und Gesellschaft Menschen aus vielen Konfessionen nach Hannover eingeladen, um die „Einheit in Vielfalt“ in Niedersachsen zu feiern. Die fünf evangelischen Kirchen in Niedersachsen beteiligen sich unter dem Motto: „himmlisch: evangelisch in Niedersachsen“ mit einem eigenen Programm am Bürgerfest. Alle Informationen unter www.himmlisch-evangelisch.de

Da der Gottesdienst am 3. Oktober zum protokollarischen Teil der Feierlichkeiten gehört, können nur geladene Gäste daran teilnehmen. Zeitgleich wird für weitere Interessierte die Übertragung des Gottesdienstes auf einer Großleinwand in der nahe gelegenen Kreuzkirche (Kreuzkirchhof 1, 30159 Hannover) angeboten.