Philosoph Schmid: Kirche sucht noch ihre Position zum Thema Sterbehilfe

Nachricht 17. September 2014

Celle/Berlin (epd). Die Kirche muss nach Ansicht des Philosophen Wilhelm Schmid in der öffentlichen Debatte zur Sterbehilfe ihre eigene Position schärfer definieren. "Theologen müssen dazu ihre Stimme finden", mahnte der Berliner Professor am Mittwoch in Celle. Er distanzierte sich klar von aktiver Sterbehilfe, zeichnete aber zugleich das Dilemma nach, in dem sich Christen befinden. "Ist es ein Akt der Liebe, einen Sterbewilligen von seinem Vorhaben abzubringen oder besteht ganz im Gegenteil die Liebe darin, ihm behilflich sein?"

Verlange ein Todkranker nach Medikamenten für einen Suizid, so bringe er seine Angehörigen in einen moralischen Konflikt. "Die Kunst des Liebens kann diesen letzten Liebesdienst noch umfassen", sagte Schmid. Er plädierte bei der jährlichen Vollversammlung aller Pastoren des Sprengels Lüneburg der hannoverschen Landeskirche dafür, diese Form der Sterbehilfe nicht zu verbieten. Sie sei weder Tötung noch Mord, da alle Verantwortung bei dem Sterbenden liege.

Pastorinnen und Pastoren müssten allerdings auch seelsorgerliche Antworten parat haben für Fälle, in denen ein Mensch Nahrung verweigere oder einem ärztlichen Rat nicht mehr Folge leisten wolle. Allerdings sei der Gesetzgeber gefordert, einen klaren Rahmen gegen aktive Sterbehilfe zu schaffen. Andernfalls stünden "Tür und Tor offen für ein Töten aus niederen Motiven, wie etwa einer Erbschaft".

Für die Kirche sei es entscheidend, dass ein Mensch die letzten Schritte seines Lebens vertrauensvoll, verantwortlich und zugleich zuversichtlich gehen könne, sagte der Geistliche Vizepräsident des hannoverschen Landeskirchenamtes, Arend de Vries. Pastoren müssten stets fragen, wie sie Menschen in dieser Situation seelsorgerlich gerecht werden könnten.

Regionalbischof Dieter Rathing betonte, die Auseinandersetzung mit der Sterbehilfe müsse Teil des kirchlich diakonischen Auftrages sein. "Darüber zu reden, ist die beste Suizidprävention." Nicht nur die Kirche, auch die Gesellschaft sei gefragt, Beratungsangebote für Sterbewillige zu schaffen, eine "Beratung zum Leben".

Der Sprengel Lüneburg ist mit mehr als 600.000 Kirchenmitgliedern in 281 Gemeinden der größte von sechs Bezirken der hannoverschen Landeskirche. Er erstreckt sich von Hittfeld im Norden und Wolfsburg im Süden über Walsrode im Westen und Lüchow-Dannenberg im Osten.

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