Landesbischof Meister nimmt an Kundgebung gegen Antisemitismus teil

Nachricht 11. September 2014

Berlin/Hannover (epd). Nach den judenfeindlichen Vorfällen und Ausschreitungen in jüngster Zeit ruft der Zentralrat der Juden zur Teilnahme an einer Kundgebung gegen Antisemitismus am Sonntag in Berlin auf. Daran nehmen auch Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teil. Unter dem Motto "Steh auf! Nie wieder Judenhass!" soll am Brandenburger Tor ein Zeichen gegen die antisemitischen Vorfälle der vergangenen Wochen gesetzt werden. Nach Polizeiangaben sind 5.000 Teilnehmer angemeldet. Für die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers nimmt Landesbischof Ralf Meister teil.

Die Hauptrede hält Bundeskanzlerin Merkel. Als weitere Redner werden der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, sowie der Präsident des World Jewish Congress, Ronald S. Lauder, erwartet.

Meister sagte am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Hannover, er sei entsetzt über die antisemitischen Parolen und Aufrufen zu Gewalt gegen Juden und Israelis in den Demonstrationen der letzten Monate. "Unter einer Kritik an der konkreten Politik des Staates Israel offenbart sich eine diffuse und gefährliche Mischung des Hasses auf jüdische Menschen", unterstrich der Bischof.

Es sei unerträglich, dass sich Menschen jüdischen Glaubens in Berlin nicht mehr auf die Straße trauten oder Versammlungen jüdischer Gruppen mieden. Die Meinungsfreiheit sei ein hohes Gut. Sie dürfe aber nicht Hetzparolen missbraucht werden. "Dagegen müssen wir entschieden mit allen rechtlichen Möglichkeiten vorgehen." 

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, sagte, die jüdische Gemeinschaft in Deutschland habe sich in den vergangenen Monaten, als sich die antisemitischen Vorfälle häuften, zeitweilig ziemlich alleingelassen gefühlt: "Wir sind jetzt aber sehr froh und erleichtert, dass unsere Kundgebung derart hochrangige politische Unterstützung erfährt und wir viele Signale der Solidarität aus der ganzen Gesellschaft bekommen."

Die Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus, Grit Hanneforth, rief dazu auf, in den Gemeinden das Engagement gegen Antisemitismus zu verstärken: "Jegliche antisemitische Position ist mit dem christlichen Bekenntnis unvereinbar." Christen seien dazu verpflichtet, sich an die Seite von Juden zu stellen und jegliche Form von Antisemitismus in aller Deutlichkeit zu verurteilen.

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