Kongress in Wittenberg würdigt Widerstand der DDR-Bausoldaten

Nachricht 06. September 2014

Wittenberg/Bremen (epd). Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft haben die Rolle der Bausoldaten beim Untergang der DDR hervorgehoben. Bausoldaten hätten in der Friedensarbeit der evangelischen Kirche eine herausragende Rolle gespielt und dazu beigetragen, den Staat zu destabilisieren, sagte der frühere Friedensreferent des DDR-Kirchenbundes, Joachim Garstecki, am Freitagabend bei einem Kongress in Wittenberg, bei dem an die Einberufung der ersten Bausoldaten vor 50 Jahren erinnert wurde.

Die DDR-Führung hatte im September 1964 eine Anordnung zur Aufstellung von speziellen Baueinheiten erlassen. Bis Ende 1989 gab es etwa 15.000 Waffendienstverweigerer aus religiösen und politischen Gründen. Als Erkennungszeichen trugen sie Spaten auf den Schulterklappen.

Bei einer Podiumsdiskussion wurde auch kontrovers über militärische Hilfe in Krisenregionen und deutsche Waffenlieferungen für die kurdischen Truppen im Irak diskutiert. Der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, wiederholte seine ablehnende Haltung. In der Abwägung der Argumente sehe er nicht, dass solche Waffenlieferungen richtig seien, sagte der theologische Repräsentant der Bremischen Evangelischen Kirche. Dagegen erklärte Garstecki, dass Menschen auch mit Mitteln der Gewalt geholfen werden müsse, wenn Völkermord drohe.

Die Bausoldaten zählten neben den Pazifisten zu den großen Helden in der DDR-Geschichte, sagte der Direktor des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden, Matthias Rogg. Sie seien Sinnbild für Zivilcourage gewesen. Das Schicksal der Bausoldaten trage auch zu einem besseren Verständnis der Militarisierung der gesamten DDR und der Entwicklung der Opposition bei, sagte der Historiker und Bundeswehr-Oberst.

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