Leitende niedersächsische Geistliche zum Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare

Nachricht 16. September 2013

Hannover/Braunschweig (epd). Zur umstrittenen Frage, ob homosexuelle Paare ein Adoptionsrecht für Kinder haben sollten, gehen die Meinungen in den evangelischen Kirchen in Niedersachsen und Bremen auseinander. Nach einer epd-Umfrage befürworten einige Bischöfe und leitende Repräsentanten ein solches Recht, andere dagegen sind skeptisch. Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hatte die Diskussion angestoßen. Er kann sich ein Adoptionsrecht vorstellen, wenn eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft durch "Verlässlichkeit, Verbindlichkeit und Verantwortung" geprägt ist.

Der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber befürwortet ein solches Recht nur in Ausnahmefällen. Dies sei etwa gegeben, wenn ein leiblicher Vater oder eine leibliche Mutter nach einer Scheidung mit einem neuen Partner eine eingetragene gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft eingeht und der Partner oder die Partnerin das Kind adoptiert. Regelungen für solche Fälle dürften aber den Regelfall, nach dem ein Kind mit Vater und Mutter aufwächst, nicht beschädigen.

Der oldenburgische Bischof Jan Janssen sagte, die Frage nach dem Adoptionsrecht sei zunächst eine staatliche Herausforderung. Für jede Partnerschaft, die Verantwortung gegenüber Kindern übernehmen wolle, gehörten Treue, Verlässlichkeit und Respekt füreinander zu den wichtigsten Werten.

Der Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz in Leer, Jann Schmidt, würde einem Adoptionsrecht für homosexuelle Partner nicht entgegenstehen. "Wenn gleichgeschlechtliche Paare entscheiden, dass Kindererziehung zu ihrer Lebensplanung dazu gehört, ist das zu begrüßen", sagte er. "Wichtig ist dabei, dass die Partnerschaft auf Dauer und Verlässlichkeit angelegt sein sollte - und dem Paar bewusst ist, dass auch die Erziehungszeit langfristig angelegt sein muss."

Der schaumburg-lippische Landesbischof Karl-Hinrich Manzke aus Bückeburg sieht ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare eher kritisch. Dies gefährde den besonderen Schutz von Ehe und Familie, den das Grundgesetz garantiere. In der Bremischen Evangelischen Kirche gibt es zu dieser Frage keine allgemeingültige Haltung, sie wird von konservativen und liberalen Gemeinden unterschiedlich beurteilt.

Auch zur Segnung homosexueller Partnerschaften bestehen in den fünf evangelischen Kirche in Niedersachsen sowie der bremischen Kirche unterschiedliche Regelungen. Die hannoversche Landeskirche, die bei weitem größte unter ihnen, arbeitet zurzeit an einer Liturgie für besondere Segnungsgottesdienste. In anderen Landeskirchen sind Segnungen nach bestimmten Richtlinien möglich, ohne dass es eine feste Form dafür gibt. Vielfach hängt es vom Ortspastor ab, wie er mit dem Wunsch eines homosexuellen Paares umgeht, das den kirchlichen Segen erbittet.

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