Landesbischof: Neue religiöse Neugier ist Chance für Kirchen

Nachricht 11. September 2013

Lamstedt/Kr. Cuxhaven (epd). Spiritualität ist nach Ansicht des hannoverschen Landesbischofs Ralf Meister längst zum Modewort geworden. "Ein Wort, das sich mit allem Möglichen verbinden lässt: mit Achtsamkeitsmeditation, Fastenwandern, Sinnsuche oder Edelsteinwasser, Pilgerwegen, Kloster-auf-Probe oder Pendeln", sagte der evangelische Theologe am Mittwoch in einem Vortrag in Lamstedt bei Cuxhaven. Kirchlich engagierte Menschen beklagten in diesem Zusammenhang manchmal, dass Religiosität nicht mehr in Kirchen gelebt werde, sondern in der individuellen Sinnsuche verhaftet bleibe. Das könne aber auch als Chance verstanden werden, sagte Meister.

"Unsere Gesellschaft verträgt und verlangt spezifisch geistliche Themen, es gibt eine neue religiöse Neugier", erläuterte der Bischof seinem Manuskript zufolge. Die ethischen Fragen, die den Anfang und das Ende des Lebens behandelten, aber auch das Thema soziale Gerechtigkeit angesichts der Finanzkrise oder die Zukunft der Kernenergie seien Fragen, die das Zusammenleben der Menschheit im Ganzen beträfen. Zentrale Begriffe wie Menschenwürde oder Menschenrechte seien ohne Rückgriff auf die christlich-jüdische Tradition nicht zu verstehen.

Der christliche Glaube habe mit seinen biblischen Erzählungen das Weltbild und die Moral in vielen Regionen der Erde geprägt. So wecke zum Beispiel die Erzählung vom barmherzigen Samariter den Sinn für das Mitleid mit dem Nächsten. Die christlichen Kirchen hätten die Aufgabe, ihre Erzählungen in der heutigen Gesellschaft wachzuhalten und in die aktuellen Diskussionen um Werte und Normen einzubringen.

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