Thema Suizidprävention - Drei Fragen an Landesbischof Meister

Nachricht 10. September 2013

Zum Internationalen Tag der Suizidprävention am 10. September

Hannover/Wiesmoor (epd). Jedes Jahr nehmen sich in Deutschland nach den offiziellen Statistiken etwa 10.000 Menschen das Leben. Die Anzahl der Suizide in Deutschland ist damit mehr als doppelt so hoch wie die der Verkehrstoten. Die Zahl der Suizidversuche wird allein in Deutschland auf mehr als 100.000 pro Jahr geschätzt. Dennoch ist eine Prävention möglich, sagt der evangelische Landesbischof Ralf Meister aus Hannover dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Rande einer Veranstaltung im ostfriesischen Wiesmoor zum "Internationalem Tag der Suizidprävention".

epd: Was ist nötig, um suizidgefährdeten Menschen grundsätzlich eine neue Lebensperspektive zu geben?

Meister: Das ist vor allem eine Aufgabe für alle, die professionell in therapeutischen und seelsorgerlichen Bereichen arbeiten. Innerhalb unserer Kirche sind das etwa die Lebensberatungsstellen. Suizide sind Ausdruck von Not. Beziehungs- und Gesprächsangebote, Zeit und Zuwendung sind Hilfen zur Prävention. Gesellschaftlich und politisch gilt: Wir müssen alles tun, damit Menschen nicht in Situationen kommen, in denen sie lieber nicht mehr leben wollen. Das sage ich insbesondere mit Blick auf die Lage derer, die am Rande der Gesellschaft leben und Unterstützung brauchen, um am Leben teilnehmen zu können.

epd: Welche Rolle kann und sollte dabei die Kirche spielen?

Meister: Die Kirche macht vielfältige seelsorgerlich-beratende Angebote. Diese müssen wir halten und stärken. Häufig wird der Suizidwunsch von älteren Menschen mit der Angst vor der Pflege begründet. Hier müssen wir uns für bessere Rahmenbedingungen in der Pflege einsetzen. Die hohen pflegerischen und menschlichen Standards in unseren diakonischen Einrichtungen gehören dazu. Wir müssen deutlich machen, dass auch ein Leben mit Grenzen und Abhängigkeiten ein wertvolles Leben sein kann.

epd: Viele alte und kranke Menschen beschäftigen sich mit dem Thema Suizid. Was raten Sie den Angehörigen?

Meister: Experten sagen: Die meisten Suizidwünsche haben ihren Grund in einer psychischen Erkrankung oder in akuten Leidenssituationen. Hier ist unbedingt professionelle Hilfe notwendig - auch für die Angehörigen. Die seltene Situation eines Bilanzsuizids, bei denen ein Mensch aus freien Stücken sein Leben beenden will, müssen wir ernst nehmen und enttabuisieren. Erfahrungen zeigen, dass der offene Umgang mit dem Wunsch nach Suizid eine der wichtigsten Präventionsmaßnahmen ist. Wichtig ist natürlich eine wertschätzende Haltung und die Einbindung des Betroffenen in soziale Beziehungen. Bleibt Ihnen nah!

epd-Gespräch: Jörg Nielsen

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