Generalkonvent der Pastorinnen und Pastoren im Sprengel Osnabrück

Nachricht 04. September 2013
Generalkonvent OS 2013
Der Diepholzer Superintendent Klaus Priesmeier (links) und Landessuperintendent Dr. Burghard Krause (3. von links) hatten zum diesjährigen Generalkonvent des Sprengels Osnabrück den Loccumer Akademiedirektor Dr. Stephan Schaede (2. von links) als Referenten eingeladen. Aus der Landeskirche berichtete kurz der geistliche Vizepräsident des Landeskirchenamtes Arend de Vries (rechts). Bild: Gunnar Schulz-Achelis.

Der Beitrag des Protestantismus zur Toleranz ist die Haltung, die öffentlich für eigene religiöse Überzeugungen und eine klare, entsprechende Lebenspraxis eintritt. Diese These hat der Loccumer Akademiedirektor Dr. Stephan Schaede beim Generalkonvent des Sprengels Osnabrück am Montag in Barnstorf vertreten. Landessuperintendent Dr. Burkhard Krause hatte die Pastoren seines Sprengels, der im Wesentlichen die Landkreise Diepholz und Osnabrück umfasst, zum diesjährigen Thema der Reformationsdekade "Toleranz" eingeladen. Über 140 Geistliche hörten seine Predigt und das Referat Schaedes zu dem Thema und vertieften es in 8 Arbeitsgruppen.

Der Loccumer Theologe sprach über "Tabu und Toleranz - welche Maulkörbe verpasst und von welchen befreit der Protestantismus heute?" Mit viel Humor nutzte Schaede das Bild des Maulkorbes – er entwickelte eine regelrechte evangelische "Maulkorbkunde“ – um dann das Toleranzverständnis des Protestantismus aufzuzeigen und an einigen Beispielen anzuwenden. Ein Maulkorb sei ein Instrument wirksamer Verdrängung und diene der Aggressivitätsunterdrückung, mache aber nicht wehrlos. Gleichwohl merke mancher nicht mehr, dass er einen trägt. Je herausgehobener die Stellung innerhalb der Kirche sei, desto fester werde "der Maulkorb der political correctness gezurrt".
 
"Ein wirkungsvoller Tabubruch kann zu einem Toleranzschub führen" so Schaede. Luthers Art, die Ablassdiskussion durchzuführen, war ein Tabubruch.
Man brauche klar artikulierte Überzeugungen, um tolerant zu sein.
Toleranz, die kultiviert werden muss, braucht einen "Hundeführer" – gemeint ist ein Subjekt der Toleranz – zudem ein Gegenüber und einen Gegenstand, wie etwa im Falle der Beschneidungsdebatte. Man toleriert nur wirklich, womit man gerade nicht einig sei aus guten Gründen, so Schaede. Toleranz muss aus freien Stücken geübt werden und hat auch eine Grenze.
 
Der Protestantismus trägt zunächst nichts zur Toleranz bei, sondern trat ursprünglich gegen Ignoranz an, etwa der päpstlichen Ablasspolitik. Der Protestantismus setze auf Glauben als Vertrauen, das nur durch Auseinandersetzung und Kenntnis der Argumente des anderen entsteht. Den könne man dann auf Irrtümer aufmerksam machen, aber nicht aus der Haltung eines Besserwissers. Evangelische Gewissensfreiheit entstehe aus der Arbeit an der eigenen Überzeugung, der Arbeit am Wort. Toleranzgespräche im Zeichen des Protestantismus sind ohne Selbstgefälligkeit und mit einer "kritischen Nase für falsche Privilegien" zu führen, so der Theologe weiter. Jesus Christus werde von der Reformation als Ausdruck der Toleranz Gottes verstanden. Er eröffne den Menschen eine andere Toleranz mit ihnen selbst und anderen, so Schaede weiter.
 
So könne man auch mit Gegnern reden, dem Zeitgeist und "Mainstream" widersprechen und nicht einem auf rein private Religion zielenden Laizismus das Wort reden - so beim Beispiel des Religionsunterrichtes an Schulen. Schaede zeigte weitere Maulkörbe im Umgang mit Migranten und in der internationalen Politik auf, mit enttäuschten Erwartungen zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen, sowie Leistungs- und Engagements-Differenzen in der Kirche. Schaede lobte im Sinne einer Befreiung von Maulkörben die Urteilsfreiheit evangelischer Pastoren und forderte eine neue Beschreibung der Lebensführungsfragen für Pfarrer, etwa wenn es um Konflikte mit Ehepartnern oder Kindern im Pfarrhaus gehe.
 
Im Eröffnungsgottesdienst hatte Landessuperintendent Dr. Burghard Krause gesagt: „Gottes Toleranz – sie hat nichts mit Indifferenz oder Gleichgültigkeit zu tun, kneift auch nicht vor deutlicher Positionierung und deckt die eigentliche Triebfeder unserer Intoleranz auf“. Wir selbst seien immer wieder beides: „Gutwillige und Böswillige, Gottgefällige und Selbstgefällige, Heilige und Heillose“. Gott ertrage diese widersprüchliche Welt in schmerzlicher Toleranz. Er lade zu Geduld ein und befreie davon, Richter spielen zu müssen. Er selbst könne ja Menschen verwandeln, so Krause.
 
Gegen Ende des Konventes wurde aus jedem der 5 Kirchenkreise jeweils ein gelungenes Projekt vorgestellt.