Diakonie hält Förderschulen weiter für notwendig

Nachricht 02. September 2013

Hannover (epd). Trotz des Starts der "inklusiven Schule" will die Diakonie in Niedersachsen weiter an speziellen Förderschulen für Menschen mit Behinderungen festhalten. "Wir sind davon überzeugt, dass es weiterhin Förderschulen geben wird und geben muss", sagte der hannoversche Diakonie-Direktor Christoph Künkel am Dienstag im epd-Gespräch. Nach den Einsichten von Pädagogen und dem Wunsch von Eltern seien manche Kinder besser auf Förderschulen aufgehoben als auf allgemeinen Schulen. Die Diakonie betreibt landesweit 16 Förderschulen.

Niedersachsen hatte zum Start des laufenden Schuljahrs mit dem Aufbau gemeinsamer Schulen für behinderte und nicht-behinderte Kinder begonnen. Dabei wurden im August an allgemeinen Grundschulen erstmals auch 230 Schüler aufgenommen, die besonders gefördert werden müssen. Insgesamt wurden 2.300 Kinder mit Förderbedarf eingeschult. Die Eltern können selbst entscheiden, auf welche Schule sie ihr Kind schicken.

Künkel begrüßte die "inklusive Schule" im Grundsatz: "Menschen mit Behinderungen sollen nicht ausgeschlossen werden, sondern teilhaben an den Bildungsprozessen, die alle anderen auch haben." Dafür gebe es zahlreiche gelungene Beispiele. "Das kann ein Gewinn sein - es muss aber nicht", sagte Künkel.

So hätten manche autistische Kinder Probleme, wenn sie in eine Großgruppe mit wechselnden Bezugspersonen kämen. In jedem Fall müsse für Kinder mit Förderbedarf eine Betreuung in ausreichender Stundenzahl zur Verfügung stehen. "Es ist verfehlt zu meinen, dass die inklusive Schule kostenlos zu haben ist."

Langfristig rechnet Künkel mit einer geringeren Zahl an Förderschulen und mit "Umformungen", bei denen Förderschulen zu allgemeinen Schulen umgebildet werden. "Die Grenze zwischen den Schultypen müssen fließend werden." Auf die "Expertise" der Förderschulen könne auf keinen Fall verzichtet werden.

Die Diakonie in Niedersachsen feiert bis zum 8. September ihre jährliche "Woche der Diakonie" unter dem Thema "Mit Unterschieden leben". Dabei wird es in vielen der rund 1.500 evangelischen Kirchengemeinden und mehr als 3.000 diakonischen Einrichtungen Aktionen, Feste, Diskussionen, Konzerte, Filmabende Sammlungen oder "Tage der offenen Tür" zum Thema "Inklusion" geben.

epd-Gespräch: Michael Grau

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