Diakonie fordert mehr humanitäre Hilfe für Flüchtlinge im Nordirak

Nachricht 14. August 2014

Emir der jesidischen Gemeinde warnt vor Völkermord

Hannover (epd). Die Diakonie in Niedersachsen hat zu mehr humanitärer Hilfe für Flüchtlinge im Nordirak aufgerufen. "Die Diskussion in Deutschland dreht sich nur um Waffen", sagte der Vorstandssprecher der niedersächsischen Diakonie, Christoph Künkel, am Freitag in Hannover. Der Fokus müsse sich wieder auf die Menschen richten. Die bislang angelaufenen Hilfen sollten deutlich verstärkt werden, forderte er.

Rund 1,5 Millionen Menschen seien derzeit im Nordirak auf der Flucht vor Truppen der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS), sagte Künkel. Unter ihnen befänden sich vor allem Angehörige religiöser Minderheiten wie Jesiden und orientalische Christen. "In der Bevölkerung herrscht Panik."

Viele Flüchtlinge seien körperlich geschwächt, Krankheiten wie Polio und Cholera seien schon aufgetreten. Die Diakonie-Katastrophenhilfe habe in der Region bereits eine Million Euro zu Hilfszwecken zur Verfügung gestellt. Künkel forderte die Bevölkerung auf, Geld an humanitäre Hilfsinitiativen zu spenden. Es gehe bei der Hilfe vor allem um sauberes Wasser, Nahrung und Medikamente, erläuterte der Diakoniechef.

Das religiöse und weltliche Oberhaupt der Jesiden Mir Tahsim Beg warnte vor einem Völkermord an den Angehörigen seiner Glaubensgemeinschaft. "Dies ist nicht der erste, aber der schlimmste Versuch uns auszurotten", sagte der Emir. Die Milizen des IS fahndeten gezielt nach Jesiden. Deutschland und andere westliche Länder sollten die Flüchtlinge deshalb vorübergehend aufnehmen.

Die Situation der Christen im Nordirak sei nicht besser als die der Jesiden dort, sagte Shlemon Younan von der Berliner Initiativgruppe "Christen helfen Christen". Rund 200.000 aramäisch sprechende Christen seien ebenfalls auf der Flucht vor der islamischen Terrorgruppe. Aus den meisten Dörfern in der Ninive-Ebene seien bereits alle Christen vertrieben worden.

Die Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg hat am Freitag der Diakonie Katastrophenhilfe bereits 5.000 Euro als Soforthilfe für die humanitäre Hilfe für Menschen im Nordirak zur Verfügung gestellt. Oberkirchenrätin Annette-Christine Lenk rief die Kirchengemeinden auf, die Flüchtlinge in ihrer dramatischen Lage mit Kollekten, Spenden und Fürbitten zu unterstützen. "Für die vom islamistischen Terror verfolgten und ermordeten Christinnen und Christen, Jesiden und andere Minderheiten ist jede Form humanitärer Hilfe dringend notwendig."

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