Bremer dürfen Totenasche künftig außerhalb von Friedhöfen ausstreuen

Nachricht 29. Juli 2014

Kirche kritisiert Gesetzesinitiative

Bremen (epd). Bremen erlaubt das Verstreuen der Asche Verstorbener außerhalb von Friedhöfen. Ein entsprechender Gesetzentwurf passierte am Dienstag einen Parlamentsausschuss. Damit übernimmt das kleinste Bundesland eine Vorreiterrolle bei der Lockerung des Bestattungsrechts in Deutschland. Die Totenasche soll unter bestimmten Bedingungen auf privaten Grundstücken und speziell dafür ausgewiesenen öffentlichen Flächen ausgestreut werden können. Die Bürgerschaft, der Landtag in Bremen, muss der Novelle der rot-grünen Regierungsfraktionen nach der Sommerpause noch endgültig zustimmen.

Allerdings wird das Verstreuen an eine ganze Reihe von Bedingungen geknüpft: Der ausdrückliche Wille des Verstorbenen muss schriftlich und beglaubigt festgehalten sein. Dazu soll eine Person zur "Totensorge" benannt werden, die darüber wacht, ob die wunschgemäße Bestattung auch tatsächlich eingehalten wird. Dabei müsse die Ehrfurcht vor den Toten beachtet werden, heißt es.

So soll beispielsweise bei starkem Wind nicht verstreut werden, um zu verhindern, dass Aschereste auf benachbarte Grundstücke wehen. Der "Totensorger" soll am Ende eidesstattlich versichern, das alles würdevoll abgelaufen ist. Ein früherer Vorschlag, dass Angehörige Urnen für zwei Jahre mit nach Haus nehmen dürfen, ist aus staatsrechtlichen Bedenken hingegen vom Tisch.

Kritik kam von der Bremer CDU. Das Ausstreuen auf öffentlichen Flächen sei mit der Würde der Toten nicht vereinbar, sagte ihr Abgeordneter Frank Imhoff: "Ich sehe da schon streunende Hunde lang laufen."

Auch die Bremische Evangelische Kirche lehnt das öffentliche Ausstreuen ab. Das lasse sich nicht praktikabel regeln, sagte ihr leitender Theologe Renke Brahms dem epd. Das zeige schon der "sehr komplexe" Gesetzentwurf. Die Kirche trete für eine Bestattungskultur ein, bei der die Würde der Menschen unabhängig von sozialem Status, Religion oder finanzieller Situation gewahrt werde. "Das bringen Trauerfeier, Bestattung und Friedhofskultur zum Ausdruck."

Grünen-Abgeordnete Maike Schaefer betonte hingegen, die Reform stärke das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen über den Tod hinaus. "Immer mehr Menschen möchten ihre letzte Ruhestätte selbst bestimmen und ihre Asche an einem Ort verstreut wissen, dem sie sich verbunden fühlen." Das könne der Apfelbaum im Garten genauso wie ein Ort am Fluss sein. Senator Joachim Lohse (Grüne) glaubt, das Ausstreuen der Asche "wird nicht ausufern". Die überwiegende Mehrheit der Menschen werde auch in Zukunft die traditionelle Form der Bestattung wählen.

Mit der Gesetzesnovelle wird zudem islamischen Religionsgemeinschaften das Recht eingeräumt, neue Friedhöfe anzulegen. Geplant sind überdies sogenannte "Memoriam-Gärten", zu denen 30 bis 50 Gräber in einem gemeinsam gestalteten Areal gehören. Bei Sozialbestattungen soll das Wahlrecht zwischen Erd- und Feuerbestattung bestehen bleiben.

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