Literaturhaus St. Jakobi Hildesheim startet am 12. September

Nachricht 28. Juli 2014

Hildesheim. Fast zwei Jahre Wartezeit haben ein Ende: Das Literaturhaus St. Jakobi Hildesheim eröffnet am 12. September seine erste Spielzeit. Mit bekannten Autoren, mit Lesungen von solchen, die es noch werden wollen, und mit Cornelia Funke. Die zur Zeit erfolgreichste deutsche Schriftstellerin, kommt am 1. Dezember nach Hildesheim. Neben dem literarischen Wort wird in St. Jakobi weiterhin das geistliche stehen, unter anderem mit dem wöchentlichen Friedensgebet „pax et bonum“ ab Oktober.

Zum Spielzeit-Auftakt am 12. September ist der österreichische Schriftsteller Michael Köhlmeier zu Gast, um in einer deutschen Buchpremiere seinen Roman „Zwei Herren am Strand“ vorzustellen. Mit dabei ist sein Verleger Jo Lendle, ein Spross der Talentschmiede des Studiengangs Kulturwissenschaften an der Uni Hildesheim. Dieser Abend über die Strandspaziergänge Winston Churchills und Charlie Chaplins ist zugleich ein Fingerzeig, in welche Richtung das neue Literaturhaus steuert.

Statt einer reinen Lesung erwartet die BesucherInnen ein Gespräch mit dem Autor über die Arbeit, ein tieferer Einblick ins Herz des Schreibens und Erzählens. Anschließend gibt es Livemusik, einen Imbiss und Getränke – damit „nach der Veranstaltung nicht sofort alles vorbei ist“, wie Intendant Dirk Brall am heutigen Dienstag bei einer Pressekonferenz ankündigte.

Die Begegnung, das Gespräch sei neben literarischen und spirituellen Formaten der dritte Aspekt von St. Jakobi, sagte Superintendent Helmut Aßmann. Dabei sollten die Lesungen und anderen Veranstaltungen „kein kirchlicher Köder“ sein. Aßmann: „Wir suchen auf Augenhöhe das Gespräch mit der literarischen Welt – ohne zu wissen: Was kommt dabei heraus?“

Offen sein für das, was im Prozess entsteht: Diese Haltung soll auch die Raumgestaltung prägen. Als erstes werden Küche und Toiletten neu eingebaut, die Umwandlung der Sakristei in einen Stilleraum ist bald darauf an der Reihe. Die weitere Gestaltung der Kirche jedoch soll sich nach den Dingen richten, die in ihr stattfinden. Fest steht nur: Die BesucherInnen werden auf 200 weiße Stühlen sitzen, die je nach Veranstaltung anders positioniert werden. Die Auszeichnung als Kulturkirche der Evangelischen Landeskirche und der Hanns-Lilje Stiftung ermöglichen es dem Literaturhaus, ein ganz eigenes, neuartiges Profil zu entwickeln.

Hanns-Josef Ortheil, Lutz Seiler, Martin Kordic und Christian Schärf sind weitere Gäste bis zum Dezember, außerdem gibt es szenische Lesungen mit Studierenden der Universität Hildesheim, bevor das Literaturhaus eine zweimonatige Winterpause einlegt. Vorher kommt aber Cornelia Funke („Herr der Diebe“, „Tintenherz“, „Reckless“) aus Los Angeles zu einem von nur vier Auftritten in Deutschland. Sie wird Kostproben aus „Tintentod“ und „Reckless 3“ lesen und außerdem mit dem Autor Tobias Wenzel über den Tod und das Leben am Meer nachdenken.

Das Meer ist das wiederkehrende Thema, das Leitmotiv dieser Eröffnungsspielzeit. In den kommenden Jahren sollen weitere „schlichte Orte, an denen sich Menschen gerne aufhalten“, als Spielzeitthemen folgen, verriet Dirk Brall.

Ein Ort, an dem sich Menschen gerne aufhalten, soll auch St. Jakobi werden – anknüpfend an seine Jahrhunderte alte Tradition als Pilgerkirche; als Anlaufpunkt für Kreative, Heimatlose, Alltagsreisende“, so Brall. Auch soll St. Jakobi wie zur seiner Zeit als Citykirche wieder täglich öffnen. Wann und mit welchen Angeboten es so weit sein wird, sei noch unklar, fest stehe aber: „Das wird passieren.“

Ralf Neite, Kultur & Kommunikation
www.kultundkom.net