Schulpaten-Projekt in Hildesheim läuft aus und soll neu starten

Nachricht 03. Juli 2014
Patenprojekt Hildesheim
Foto: Wiebke Barth.

Hildesheim. Sie strahlen alle ein bisschen und können mit Recht stolz auf sich sein – die Paten, die Patenkinder und Initiatorin Heike Neumann. Das Projekt „Keiner darf verloren gehen“ an der Hauptschule Alter Markt hat sich als Erfolgsmodell entpuppt. Drei Jahre lang haben ehrenamtliche Paten und Patinnen neun Jugendliche auf dem Weg zum Schulabschluss begleitet. Alle Zehntklässler unter ihnen haben nun ihren Schulabschluss geschafft, drei sogar den Realschulabschluss. Eine Schülerin will weiterlernen und strebt das Fachabitur an. Drei Jugendliche haben schon einen Ausbildungsplatz in der Tasche.

Einer hat sich für das Freiwillige Soziale Jahr Kultur beworben. Oliver ist gespannt, ob es klappt – er ist der erste Schüler der Hauptschule Alter Markt, der sich überhaupt je für ein FSJ beworben hat. Der 16-Jährige spielt gern Theater und würde sich über einen Arbeitsplatz in diesem Bereich der Kultur daher besonders freuen. Sein Pate habe bei der Suche nach geeigneten Praktikumsplätzen in Klasse acht und neun geholfen, sagt Oliver. Da habe er schon einen Anstoß gebraucht.

Neben dem Lernen und Arbeiten haben die PatInnen und ihre Schützlinge sich auch Zeit für Privates genommen und sind sich dabei näher gekommen. Sein Pate, inzwischen leider weggezogen, sei Student der Mathematik gewesen und habe ihm wunderbar die schwierigen Matheaufgaben erklären können, sagt Jan Niklas. „Wir haben aber auch Döner gegessen oder Playstation gespielt“, sagt der 15-Jährige. „Das hat richtig Spaß gemacht mit dem.“

Schülerinnen und Schüler mit Potenzial, denen es lediglich an Motivation und Rückenwind fehlte, waren die Zielgruppe für das Projekt „Keiner darf verloren gehen“ im evangelischen Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt. Heike Neumann, Religionslehrerin an der Hauptschule Alter Markt, und Peter Noß-Kolbe, Beauftragter für Kirche und Schule in der Region Hildesheim, wollten sich mit den trüben Zukunftsaussichten der Jugendlichen nicht abfinden. Nur ein einziger der Schulabgänger im Jahr 2012 habe einen Ausbildungsplatz gehabt. Deshalb suchten sie nach ehrenamtlichen Paten und Patinnen, organisierte zusammen mit der Volkshochschule für sie Schulungen. Die Landeskirche finanzierte einen Teil ihrer Stelle, da sie sich regelmäßig mit PatInnen und Patenkindern traf, um Mut zu machen, zu motivieren, bei Schwierigkeiten einzuspringen.

„Ich war einfach nur faul“, gesteht Patrick. Seine Patin Juliane Dombach übte mit ihm für Klassenarbeiten und half bei den Bewerbungen. Jetzt hat Patrick den Realschulabschluss und wird eine Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel beginnen. „Allein hätte ich das auf keinen Fall geschafft“, sagt er. Inzwischen könne er sich schon besser selbst zum Lernen motivieren, aber Juliane Dombach möchte er doch gern als Hilfe in der Hinterhand behalten. Die hat nichts dagegen: „Aber jetzt musst du schon von selbst kommen und fragen.“

Die PatInnen paukten nicht nur Mathe und Vokabeln mit ihren Patenkindern, auch grundlegende Dinge wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und gutes Benehmen waren immer wieder ein Thema. Auch bei diesen Basiskompetenzen sieht Heike Neumann deutliche Verbesserungen. Für die Abfahrt zum Abschlussgrillen waren jedenfalls alle pünktlich am Treffpunkt zur Stelle: „Das sind schon tolle Kinder“, findet die Lehrerin.

Fast alle PatInnen würden weitermachen, sich von Neuem ehrenamtlich einem Schüler oder einer Schülerin widmen. Da die Hauptschule Alter Markt ausläuft, wechselt Heike Neumann an die Oskar-Schindler-Schule und möchte das Projekt dort neu starten, diesmal die Kinder schon ab Klasse fünf begleiten. Der Antrag bei der Landeskirche ist schon gestellt.