Landesbischof Meister lobt Atomkraft-Widerstand im "Gorlebener Gebet"

Nachricht 28. Juni 2014

Gorleben/Kr. Lüchow-Dannenberg (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat das "Gorlebener Gebet" im Wendland als Beispiel für "widerständige Aufmerksamkeit mit langem Atem" bezeichnet. Im Wald neben dem Erkundungsbergwerk im niedersächsischen Gorleben sagte er am Sonntag in einer Predigt, hier gehe es darum, den Möglichkeiten zu Umkehr und Einsicht gesellschaftlich und politisch Gehör zu verschaffen. Seit 25 Jahren kommen Menschen jeden Sonntag im Wald zusammen, um dafür zu beten, dass der Gorlebener Salzstock kein Atommüll-Lager wird.

Die Organisatoren rechnen sich deshalb zur Protestbewegung gegen die Atomanlagen, die an den Wald angrenzen. "Wie sehr die Gesellschaft diese Mahnung braucht, erleben wir an der Endlagerfrage", sagte Meister. "Heute gilt es, die Fehler einer falschen Energiepolitik aufzuarbeiten und mühsam den Ausgangspunkt für neues Vertrauen suchen." Der Vertrauensverlust, den die Gesellschaft durch die Energiepolitik vergangener Jahre erlitten habe, wiege schwer. Meister ist Mitglied einer bundesweiten Kommission, die bis spätestens 2016 Kriterien für die Suche nach einem Atommüll-Endlager erarbeiten soll.

Meister sagte, Menschen müssten keinen großen Aufwand betreiben, um sich mit Tod und Zerstörung zu verbünden. Zum Handlanger der Zerstörung könne schon werden, wer allein den herrschenden Ideologien vertraue. "Aber auch, wer den Widerspruch nicht pflegt und lieber schläft statt wacht, kann zum Mittäter werden." Das Gorlebener Gebet sei "ein entschiedener Versuch gegen die Versuchung, einfach nur dahinzudämmern".

Seit 1989 werden die "Gorlebener Gebete" regelmäßig gefeiert. Doch ihre Geschichte reicht weiter zurück und ist eng verknüpft mit dem Streit um die Atomkraft in Deutschland. 1985 haben Atomkraftgegner erstmals ein Holzkreuz nach Gorleben getragen. Auseinandersetzungen mit den Behörden und mit Kirchenvertretern begleiteten seinen Weg vom Kraftwerk Krümmel bei Hamburg ins Wendland.

1988 beteiligten sich rund 6.000 Menschen an einem Protestmarsch vom bayerischen Wackersdorf nach Gorleben. Brüchig geworden steht das Kreuz von damals noch dort, angelehnt an einen Baum. Auch andere Kreuze wurden bei "Kreuzwegen für die Schöpfung" in den Wald geschleppt - 2001 etwa von Lüneburg entlang der letzten Etappe der Castor-Transporte aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague ins Gorlebener Zwischenlager.

Die Atommüll-Halle, in der 113 Behälter mit Kernbrennstoffen lagern, liegt kaum einen halben Kilometer vom Andachtsort entfernt. Zuletzt rollten im November 2011 Castoren nach Gorleben, begleitet von Massenprotesten. Mit ihnen stieg auch die Besucherzahl der Gorlebener Gebete oft auf mehr als 150 an. Aber selbst jetzt, nachdem die Politik einen Neustart für die Suche nach einem atomaren Endlager angekündigt hat, kommen jede Woche etwa 30 Menschen, um zu beten.

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