Diakonie warnt vor zunehmender Überschuldung Älterer - Künkel: Mehr Beratungsstellen nötig

Nachricht 27. Juni 2014

Hannover (epd). Die Diakonie in Niedersachsen warnt vor einer zunehmenden Überschuldung von älteren Menschen. Aus niedrigen Einkommen folgten geringe Renten, sagte Vorstandsprecher Christoph Künkel am Freitag in Hannover: "Während die Renten klein bleiben, steigen die Mieten." Dies sei vor allem in größeren Städten ein wachsendes Problem. Sinkend sei dagegen die Zahl der etwa durch Handyverträge verschuldeten Jugendlichen. Künkel forderte ein flächendeckendes Netz von Schuldnerberatungsstellen in Niedersachsen, das über Steuermittel finanziert sein müsse.

"Überschuldung ist etwas, was sofort existenziell greift", betonte er. Die Folgen seien soziale Ausgrenzung und gerade bei Älteren auch gesundheitliche Probleme. Betroffene schämten sich und suchten deshalb zumeist erst spät Hilfe. Zwar werde bisher die Beratung neben 25 Prozent Eigenmitteln der Diakonie auch zum größten Teil vom Land und den Kommunen finanziert. Dazu müssten die Betroffenen aber zumeist Notlagen, wie etwa den Bezug von Sozialleistungen nachweisen. Eine allgemeine Unterstützung der Beratungsstellen aus Steuermitteln würde dazu beitragen, das Thema Schulden aus der Tabu-Zone zu holen.

In Niedersachsen ist nach Angaben des Sozialministeriums mehr als jeder zehnte Haushalt überschuldet. Die Quote stieg mit 10,44 Prozent 2013 gegenüber dem Vorjahr (10,37 Prozent) leicht an. Von einer Überschuldung wird gesprochen, wenn die monatlichen Einnahmen nicht ausreichen, um die regelmäßigen Belastungen zu decken.

Das Land fördert den Ministeriums-Angaben zufolge 71 Schuldnerberatungsstellen und leiste damit mehr, als es müsse. Von den Beratungsstellen sind die meisten in Trägerschaft von Diakonie und Caritas. Die Zahl reicht nach Ansicht der Diakonie jedoch nicht aus. "In Niedersachsen fehlen an die 100 Berater", sagte die Referentin für Schuldnerberatung im Diakonischen Werk in Niedersachsen, Heike Krause. Die Diakonie fordere eine Vollzeitstelle auf je 25.000 Einwohner.

Hauptursache für eine Überschuldung ist laut Diakonie Arbeitslosigkeit. Auch Scheidungen und Trennungen sowie Krankheiten führten in die Notlage. Oft sei die Lage dramatisch, bevor Menschen die Beratungsstellen aufsuchten. "Wir sind immer der letzte Strohhalm", unterstrich der Schuldnerberater der Diakonie Hittfeld/Winsen, Karlheinz Kämpker. "Mein Wunsch wäre, dass die Gefahr früher gesehen wird, und die Leute früher kommen."

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