Diakonisches Annastift unterstützt Eltern behinderter Kinder

Nachricht 27. Juni 2014

Hannover (epd). Das diakonische Annastift in Hannover berät in einem niedersächsischen Pilotprojekt Eltern behinderter Kinder in deren ersten Lebensjahren. Das Programm "Verlässliche Begleitung" richte sich direkt an betroffene Eltern während der Schwangerschaft oder in der Phase nach der Geburt. "Es gibt viele Angebote für behinderte Kinder, aber keine für deren Eltern", sagte Projektleiterin Katrin Sommerfeld am Donnerstag in Hannover. "Wir schließen da eine Lücke."

Das Projekt unterstütze Eltern nach dem "Schock der Diagnose" mit Informationen und begleite sie beim folgenden Entscheidungsprozess, erläuterte die Sozialpädagogin. "Auch wenn sie sich gegen die Geburt entscheiden, beraten wir weiter." Viele hätten dann mit Schuldgefühlen zu kämpfen. Das Annastift ist auf die Arbeit mit behinderten Menschen spezialisiert. Zur Stiftung gehören ein Krankenhaus sowie Schulen und Wohnangebote.

Entschieden sich die Eltern für eine Geburt, gebe es Unterstützung bis zum dritten Lebensjahr des Kindes, sagte Sommerfeld. Dabei gehe es etwa um die Auswirkungen auf Partnerschaft und Familie, Anträge auf Hilfsmittel und Therapien oder die Vermittlung hilfreicher Kontakte. "Die Eltern sollen wissen, wenn sie diesen Weg gehen, sind wir da."

Vier Familien seien bereits in dem Beratungsprogramm. Sebastian Harfst und Anne Buchholz waren die ersten Eltern. Ihr Sohn sei mit dem Down-Syndrom zur Welt gekommen, berichten sie. "Wir wurden im Kreißsaal von der Diagnose überrascht", sagte Harfst. Zu allererst habe die Projektleiterin Sommerfeld eine Haushaltshilfe organisiert. Dass die Beraterin zu ihnen nach Hause komme, sei ein großer Pluspunkt.

Initialzündung für das Projekt sei die Debatte um vorgeburtliche Diagnostik gewesen, erläuterte Ulrich Spielmann, Geschäftsführer der "Annastift Leben und Lernen gGmbH". Das Problem der Eltern sei nicht das behinderte Kind, sondern meist die "Ochsentour durch die Institutionen". Das Annastift wolle betroffenen Eltern Mut machen.

Finanziert werde das Pilotprojekt in den ersten drei Jahren vom Diakonischen Werk in Niedersachsen und der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Für die Eltern sei das Angebot kostenlos, sagte Spielmann. Das Annastift gehört mit zwei anderen evangelischen Stiftungen zur Unternehmensgruppe Diakonische Dienste Hannover, dem größten diakonischen Unternehmen in Niedersachsen.

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