Landeskirche will operatives Geschäft der Diakonischen Dienste nicht finanziell unterstützen

Nachricht 24. Juni 2014

Hannover (epd). Die hannoversche Landeskirche will den in Finanznot geratenen Diakonischen Dienste Hannover (DDH) offenbar nicht mit einem Millionenzuschuss unter die Arme greifen. "Wir können den Betrieb nicht aus Kirchensteuern finanzieren", sagte der Vizepräsident des Landeskirchenamtes, Rolf Krämer, im Interview der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (Mittwochsausgabe). Die DDH hatte bei der evangelischen Landeskirche einen Antrag auf einen Zuschuss von 25 Millionen Euro gestellt. Dieser war auch bereits bei der jüngsten Tagung der Landessynode auf Kritik gestoßen.

"Das Papier, das die Diakonischen Dienste vorgelegt haben, ist, sagen wir mal, ein suboptimaler Hilfeschrei", sagte Krämer. Die Geschäftsführung der DDH hatte ein Sanierungskonzept über insgesamt 90,7 Millionen Euro vorgelegt, um langfristig schwarze Zahlen zu schreiben. Nach Krämers Einschätzung dürfte der Finanzbedarf jedoch geringer ausfallen. "Mir fehlt in der Berechnung zum Beispiel ein Immobilienplan", sagte er.

Zur DDH-Gruppe zählen unter anderem drei evangelische Krankenhäuser sowie Dienste für alte und behinderte Menschen mit rund 4.300 Beschäftigten. Für die Finanzmisere sorgen nach Angaben der Unternehmensgruppe vor allem Altschulden der evangelischen Henriettenstiftung von insgesamt 52 Millionen Euro. Eine drohende Insolvenz der DDH sieht der kirchliche Finanzchef Krämer jedoch nicht. "Das Geschäft wird sich konsolidieren lassen", sagte er. "Annastift, Henriettenstift und Friederikenstift werden sich als starke Marken behaupten."

Krämer wies gegenüber der Zeitung auch die Forderung zurück, Defizite beim Lutherischen Verlagshaus (LVH) in Hannover auf Dauer auszugleichen. Das Unternehmen wird voraussichtlich zum Jahresende Abteilungen schließen müssen. 18 Mitarbeiter müssen mit Kündigungen rechnen. "Wenn einige Geschäftsbereiche dauerhafte rote Zahlen schreiben, können wir das nicht über Kirchensteuereinnahmen ausgleichen", sagte Krämer. Zwar habe das LVH ein hohes Ansehen. "Aber wir haben Kirchengemeinden teils große Einschnitte abverlangt - da können wir nicht Einrichtungen nur deshalb erhalten, weil sie prestigeträchtig sind."

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