Kultusministerin: Kirche soll sich in politische Diskussion einschalten

Nachricht 22. Juni 2014

Hannover (epd). Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) hat die Kirchen ermutigt, sich in politische Debatten einzuschalten. "Wie Luther seinerzeit die Verhältnisse von Gesellschaft und Kirche kritisch hinterfragt hat und sie zum Besseren verändern wollte, soll auch heute die Kirche ihren Mund aufmachen", sagte sie am Montag beim "Johannisempfang" des evangelischen Sprengels Hannover im Plenarsaal des Landtags.

Als Beispiele nannte sie die Debatten zur Bildung und zur Integration von Zuwanderern und Menschen mit Behinderungen, die Probleme der Gesundheitspolitik, den Klimawandel und den Kampf gegen die Armut. Hier müssten die Politiker auch mit Unterstützung der Kirchen Lösungen finden. Die Ministerin würdigte die Bedeutung der Kirchenreformation im 16. Jahrhundert für die Entwicklung des modernen Staates. Demokratie, Mitbestimmung und freie Willensbildung hätten dort ihren Ursprung.

Der traditionelle Empfang mit rund 250 Gästen aus Politik, Kirche, Kultur und Gesellschaft fand anlässlich des evangelischen Themenjahrs "Reformation und Politik" erstmals im Landtag statt. Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) betonte, die Reformation habe "den Anstoß gegeben, die Freiheit und die Verantwortung des Einzelnen in den Mittelpunkt des Denkens zu stellen". Das sei auch ein eminent politischer Anstoß: "Europa nahm gewissermaßen geistig und religiös Abschied vom Mittelalter und begab sich auf die Reise in die Moderne."

Dies könnten auch Katholiken anerkennen, sagte Busemann, der selbst katholisch ist. Er hatte gemeinsam mit der evangelisch-lutherischen Regionalbischöfin Ingrid Spieckermann zu dem Empfang eingeladen.

Im Festvortrag sagte der Berliner Kirchenhistoriker Christoph Markschies, vom Reformationszeitalter ließen sich geschichtliche Linien bis in die heutige Gesellschaft ziehen, "aber nicht schnurgerade". Reformatorische Gedanken wie Freiheit oder gesellschaftliche Teilhabe hätten später vielfache Abwandlungen erfahren. Für musikalische Akzente sorgte der Berliner Liedermacher Stephan Krawczyk, der Ende der 1980er Jahre als DDR-Regimekritiker bekannt wurde.

Der Sprengel Hannover ist einer von sechs Bezirken der hannoverschen Landeskirche. Er umfasst 218 Kirchengemeinden in und um Hannover mit zusammen 550.000 Mitgliedern.

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen