„Nie wieder!“ Engagement auf Borkum gegen Antisemitismus

Nachricht 21. Juni 2014
Borkum
Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr enthüllt die Gedenktafel der Evangelisch-lutherischen Christus-Kirchengemeinde am Gemeindehaus „Arche“ auf Borkum zur Ermutigung für ein gutes Miteinander von Christen und Juden und zur Mahnung gegen Antisemitismus. Mit dabei waren Superintendent Burghard Klemenz (2.v. r.), Bürgermeister Georg Lübben (4.v.r.), die Beauftragte der Landeskirche Hannovers für Kirche und Judentum, Professorin Dr. Ursula Rudnick (4.v.l.), Pastor Jörg Schulze (3.v.l.) und Göran Sell, Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe auf Borkum, und Mitglieder des Kirchenvorstandes der Christus-Kirchengemeinde. Foto: Hannegreth Grundmann.

öso. Borkum. Die evangelisch-lutherische Christus-Kirchengemeinde feierte einen Gedenkgottesdienst, der an die antisemitische Vergangenheit der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde auf Borkum erinnerte. Auf Anregung des Ökumenischen Arbeitskreises zum Thema "Bäderantisemitismus und Antisemitismus auf Borkum im 19. und 20. Jahrhundert" hatte sich der Kirchenvorstand der Christus-Kirchengemeinde Borkum intensiv mit der Person Ludwig Münchmeyer auseinandergesetzt. Münchmeyer war in den Jahren 1920 bis 1926 Pastor der Kirchengemeinde. Er hielt antisemitische Hetzpredigten und agierte für ein judenfreies Borkum.
„Heute stellen wir uns einem dunklen Kapitel in der Geschichte der Christus-Kirchengemeinde und der Landeskirche Hannovers auf Borkum“, sagte Pastor Jörg Schulze. Bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts habe Borkum als „judenfreie Insel“ für sich geworben. Schulze begrüßte als landeskirchliche Vertreter den Landessuperintendenten des Sprengels Ostfriesland-Ems, Dr. Detlef Klahr, den Superintendenten des Kirchenkreises Emden-Leer, Burghard Klemenz, und die landeskirchliche Beauftragte für Kirche und Judentum, Professorin Dr. Ursula Rudnick, und hielt gemeinsam mit ihnen den Gedenkgottesdienst.

Im Anschluss an den Gottesdienst enthüllte Landessuperintendent Dr. Klahr die Gedenktafel am Gemeindehaus „Arche“ und sagte: „Möge diese Tafel für viele zum Anstoß werden, über die Geschichte nachzudenken und heute allen Formen von Antisemitismus und Fremdenhass mutig entgegenzutreten, auf dass wahr werde, was auf der Tafel steht: „Nie wieder!“
Die Tafel benennt das judenfeindliche Verhalten Münchmeyers und bezieht Stellung: „Wir blicken voller Scham auf die Schuld in dieser Zeit. Wir glauben an die Verbundenheit von Juden und Christen durch Gottes Wort und bekennen die Treue Gottes zum jüdischen Volk“.
Im Gemeindehaus „Arche“ am Neuen Leuchtturm gab bei einem Empfang die Möglichkeit zu Begegnung und Gespräch. Dort wurde am 17. Juni eine Wanderausstellung zum Thema „Antisemitismus in Deutschland heute“ eröffnet und ist noch bis zum 13. Juli 2014 zu sehen. Auf zehn Schautafeln werden die verschiedenen Ausprägungen von Antisemitismus dargestellt und erörtert. Die Ausstellung informiert über die drohenden Gefahren durch aktuellen Antisemitismus und schärft die Wahrnehmung für dieses Problem. Ein von Prof. Dr. Rudnick angebotenes umfassendes Begleitprogramm ermöglicht in Vortrags- und Gesprächsabenden eine intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema.