Glockenschläge in Carolinensiel erinnern an 138 gesunkene Schiffe

Nachricht 19. Juni 2014

Wittmund (epd). Ein ökumenischer Gottesdienst im ostfriesischen Carolinensiel hat am Sonnabend an verunglückte Schiffe in aller Welt erinnern. Auf den Weltmeeren seien im vergangenen Jahr 138 Schiffe gesunken, sagte der Leiter des örtlichen Sielhafenmuseums, Manfred Sell, dem epd. Dabei seien mehr als 290 Menschen ums Leben gekommen. Bei dem Gottesdienst im Museumshafen ertönte für jedes gesunkene Schiff die Glocke des 1854 im Sturm gestrandeten Auswanderer-Seglers "Johanne". Bei der Katastrophe vor der Insel Spiekeroog ertranken damals 80 Menschen.

Das schwerste Unglück im vergangenen Jahr ereignete sich Sell zufolge im Pazifischen Ozean vor der Küste der Philippinen. Am 16. August stieß das Passagier- und Frachtschiff "Thomas Aquinos" mit einem anderen Frachter zusammen. Nach dem Unglück wurden zwar 733 Menschen gerettet, doch 116 Menschen konnten nur noch tot geborgen werden. Weitere 21 Passagiere gelten offiziell noch als vermisst.

Die Carolinensieler Schiffsandacht wurde 1996 nach dem tragischen Unfall des auf Borkum stationierten Seenot-Rettungskreuzers "Alfried Krupp" ins Leben gerufen. Bei dem Versuch, einem niederländischen Seenotretter zu helfen, wurden zwei Besatzungsmitglieder über Bord gespült. Sie konnten nicht mehr gerettet werden.

Im Sielhafenmuseum läuft derzeit die Sonderausstellung "Der Tod und das Meer". Die Schau des Flensburger Schifffahrtsmuseums in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zeige, wie die Erfahrung von Seenot und Schiffbruch in Kunst, Geschichte und Kultur zwischen Bedrohung und Abenteuer, Tod und Rettung, Hoffnung und Trauer verarbeitet worden ist.

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