Ratstagung des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Medan, Indonesien

Nachricht 16. Juni 2014
LWB_Medan
Ratstagung des Lutherischen Weltbundes 2014 in Medan. Aus der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers nimmt Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer teil. Foto: LWB/M. Renaux.
Die diesjährige Tagung des Rates des Lutherischen Weltbundes (LWB) findet vom 12. bis 17. Juni 2014 in Medan, Indonesien, statt und steht unter dem Motto „Wie ein Baum, an Wasserbächen gepflanzt“.
 
In Medan tagt der Rat auf Einladung des Indonesischen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes, in dem zwölf LWB-Mitgliedskirchen mit insgesamt 5,8 Millionen Mitgliedern zusammengeschlossen sind. Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer ist Mitglied des Rates des Lutherischen Weltbundes (LWB).
 

„Wir müssen uns zu Wort melden und uns gegenseitig stärken“ - Interview zur Tagung des Lutherischen Weltbundes an OLKR Kiefer:

Welches sind die Schwerpunkte der diesjährigen Ratstagung des Lutherischen Weltbundes?

Die Vorbereitungen für das Reformationsjubiläum im Jahr 2017 und die dann stattfindende Zwölfte Vollversammlung des LWB in Namibia gehören zu den Schwerpunkten der Tagung. „Befreit durch Gottes Gnade“ wird das Motto der Vollversammlung sein, ergänzt durch drei Unterthemen „Erlösung – für Geld nicht zu haben“, „Menschen – für Geld nicht zu haben“ und „Schöpfung – für Geld nicht zu haben“. In diesem Zusammenhang wurde das Logo für die Vollversammlung und für die Aktivitäten des LWB zum Reformationsjubiläum verabschiedet.
 
Welche Themen ergaben sich durch den Tagungsort Medan in Indonesien?
 
Indonesien ist ein Land, in dem die friedliche Koexistenz der unterschiedlichen
Religionsgemeinschaften schon immer ein Thema war. Für die christlichen Kirchen stellt sich heute die Frage, inwieweit sich diese gute Tradition angesichts aktueller Konflikte bewähren kann. Aus diesem Grund gab es eine Podiumsdiskussion mit christlichen und muslimischen Gesprächspartnern zu den Fragen des multireligiösen Dialogs. Wie können die Rechte religiöser Minderheiten geschützt werden? Wie können wir Erkenntnisse aus den unterschiedlichen religiösen Traditionen nutzen? Sind fundamentalistische Haltungen in einer Gesellschaft tolerierbar? Das waren einige der Fragen, die wir diskutiert haben.
 
Wie relevant sind diese Themen für die Landeskirche Hannovers?
 
Natürlich begegnen uns die genannten Themen auch im Bereich meiner Landeskirche – allerdings zunächst im deutschen und europäischen Kontext. Gleichzeitig ist es bereichernd zu erfahren, auf welche Weise andere Kirchen im LWB auf vergleichbare Herausforderungen antworten. Klar ist: Wo Christinnen und Christen aufgrund ihres Glaubens Nachteile erleben, daran gehindert werden ihren Glauben zu leben oder gar um ihr Leben fürchten, müssen wir uns zu Wort melden und uns gegenseitig als Kirchengemeinschaft stärken. Das geht besonders gut, wenn wir uns – lokal wie global – für religiöse Toleranz stark machen.
 
Sie haben am Sonntag in Medan in einer der lutherischen KirchenGottesdienst gefeiert und gepredigt? Wo gab es Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu einem Gottesdienst in Deutschland?
 
Die lutherischen Kirchen in Indonesien haben über fünf Millionen Mitglieder und viele haben aufgrund ihrer Geschichte Beziehungen nach Deutschland. So verwundert es nicht, dass wir vertraute Choralmelodien gehört haben. Das zeigt sich natürlich auch in der Liturgie eines Gottesdienstes. Gleichzeitig spielen traditionelle Gesänge und Tänze für die Menschen eine große Rolle. Hier gab es viel zu entdecken. Die Gemeinde, in der ich gepredigt habe, gehört zu der indonesischen Gemeinschaft protestantisch-christlicher Kirchen (ONKP). Diese Kirche wurde während der Ratstagung als neues Mitglied in den LWB aufgenommen.
 
Interview: Florian Hübner, Referent für Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB)