Bischof appelliert: Deutschland muss mehr Flüchtlinge aus dem Irak aufnehmen

Nachricht 15. Juni 2014

Hannover (epd). Angesichts der eskalierenden Gewalt im Irak hat der hannoversche Landesbischof Ralf Meister sich dafür ausgesprochen, mehr Christen und andere Flüchtlinge aus dem Land in Deutschland aufzunehmen. "Die Situation im Irak ist katastrophal", sagte der evangelische Bischof am Montag im Interview auf Radio ffn. Es vervielfache das Flüchtlingsproblem, wenn in Nachbarschaft zum Brandherd Syrien nun der Irak dazu komme: "Ich würde sagen, das vervielfacht auch die Herausforderung für uns in Deutschland und in Europa."

Die Bundesregierung sei gefordert, schnelle und konkrete Hilfe zu leisten, auch wenn die Flüchtlingspolitik eine Herausforderung für ganz Europa sei, sagte Meister. Europa müsse den verfolgten Menschen zumindest vorübergehend Sicherheit geben. Auch die Kirchen sollten nach seiner Ansicht das Thema Flüchtlinge auf die Tagesordnung setzen. "Man kann offene Arme nicht befehlen. Wir müssen in den evangelischen und katholischen Kirchen viel tun, um eine Bereitschaft zu zeigen: Wir wissen, dass Ihr in Not seid und wir wollen Euch helfen."

Vor allem Christen verließen schon seit langer Zeit den Irak, weil ihr Leben dort nicht sicher sei, sagte der Bischof: "Es ist ein großes Drama." Zuletzt hatten islamistische Kämpfer der sunnitischen Terrorgruppe "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (ISIS) die nordirakische Großstadt Mossul und die Provinz Ninive erobert. Allein aus Mossul flohen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zufolge 500.000 Einwohner.

Bis zum letzten Golfkrieg von 2003 machten Christen etwa drei Prozent der irakischen Bevölkerung aus. Seither ist ein Großteil von ihnen vor gewalttätigen Übergriffen und Entführungen geflohen.

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