"Wes Geistes Kinder sind wir?"

Nachricht 08. Juni 2014

Gedanken zu Pfingsten 2014 von Landessuperintendent Eckhard Gorka, Sprengel Hildesheim-Göttingen

Sophienkirche Lamspringe
"Pfingsten", Emporenbild von Micha Kloth, Ev.-luth. Sophienkirche Lamspringe; Foto: Wiebke Ostermeier.

"Hier zeigt sich, wes Geistes Kind er ist…". Wenn dieser Satz fällt, dann hat er in der Regel einen wenig schmeichelhaften Unterton. Jemand hat etwas gesagt oder getan - und nun ist raus, wie er wirklich eingestellt ist. Vielleicht hat man es schon immer vermutet oder es kam tatsächlich überraschend. Jedenfalls ist jetzt für alle klar, was bisher verborgen war: Die innere Haltung, der "Geist", aus dem heraus jemand denkt, spricht und handelt. Eben "wes Geistes Kind" jemand ist.

Und fast immer ist es ein "Ungeist", der sich da offenbart: Ein Denken etwa, das andere allein nach ihrer Herkunft beurteilt oder nur nach ihrem Nutzen. Oder Menschen verteilen wechselseitig Etiketten, die jede wirkliche und differenzierte Wahrnehmung Einzelner oder ganzer Gruppen von vornherein verhindern. Kaum ein Konflikt, sei er kultureller, politischer oder religiöser Art, kommt ohne solche Stereotypen aus. Wir erleben das auch und gerade wieder in diesen Monaten.

"Wisst ihr nicht, wes Geistes Kinder ihr seid?", fragt Jesus einmal seine Jünger. Gerade haben sie sich von regelrechten Rachegelüsten hinreißen lassen: Am liebsten würden sie sehen, dass ein Dorf, das sie über Nacht nicht aufnehmen wollte, mit Feuer vom Himmel vernichtet würde. Verletzte Ehre, Eitelkeit, Stolz, Überheblichkeit - welcher Geist mag sie zu solchen Phantasien bringen? Welche Ungeister lassen ganz normale Menschen Gedanken denken und Dinge tun, die man nicht erwartet und schon gar nicht billigen kann?

Ebenso wichtig ist allerdings eine andere Frage: Was kann es mit dem Ungeist, der Menschen seelisch vernichtet oder sogar das Leben kostet, aufnehmen? Welchen Geist braucht es, damit die Spirale von Hass und Gewalt aufgebrochen wird?

Die Bibel beschreibt die Wirkungen des Geistes Gottes mit einer anschaulichen Aufzählung: "Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung". Dabei geht es nicht nur um die innere Haltung, sondern immer auch um die aus ihr folgenden Taten. Auf den ersten Blick ist sichtbar, wie gut es dieser Welt täte, wenn dieser Geist mehr zum Zuge käme. Wo der Geist Gottes wirkt, da werden Menschen in ihrer Würde geachtet. Da gelingen vertrauensbildende Maßnahmen - im Kleinen wie im Großen.

Gott will mit seinem Geist in dieser Welt zum Zuge kommen. Dazu braucht er uns. Er würdigt uns, Träger seines Geistes zu sein. Mag sein, dass wir es dann auch mit manchem Ungeist und mit Widerständen zu tun bekommen. Mag sein, dass wir uns manchmal vorkommen, als säßen wir zwischen allen Stühlen. Aber was braucht die Welt mehr als Menschen, die aus dem Geist Gottes heraus denken, reden und handeln?

Mit Jesus hat dieser Geist in dieser Welt noch einmal einen kräftigen Schub bekommen. Er ist zum Glück nicht nur mit denen, die sich ausdrücklich auf ihn berufen. Sondern überall dort, wo wir seine Auswirkungen - siehe oben - sehen. Mit allen, die im Sinne und im Geiste Jesu leben wollen, rufen und beten wir Christen zu Pfingsten: "Komm, Heiliger Geist und erneuere die ganze Welt!" Und fang bei uns selbst an.

Eckhard Gorka, Landessuperintendent im Sprengel Hildesheim-Göttingen der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers