Hebammen und Babykörbchen-Betreiber sehen neues Gesetz mit Skepsis

Nachricht 28. April 2014

Hannover/Osnabrück (epd). Das Netzwerk "Mirjam" für Schwangere in Not sowie niedersächsische Hebammen betrachten das am Donnerstag in Kraft tretende Gesetz zur vertraulichen Geburt mit Skepsis. Zwar erhielten Frauen damit eine gesetzlich abgesicherte Möglichkeit, ihr Kind in einer Klinik zu gebären und zur Adoption freizugeben, ohne ihren Namen zu nennen, sagte die Koordinatorin des evangelischen Netzwerks, Judith Rohde, am Dienstag dem epd. Sie halte es allerdings für eher unwahrscheinlich, dass die Schwangeren sich zuvor noch eigens beraten ließen und dabei ihre Daten einem Umschlag anvertrauten: "Dieses Angebot ist nicht wirklich niedrigschwellig."

Das Gesetz sieht vor, dass schwangere Frauen in Not über eine bundesweite Hotline an Beratungsstellen vermittelt werden. Nach eingehender Beratung sollen sie ihre Daten in einem verschlossenen Umschlag hinterlegen, der 16 Jahre lang aufbewahrt wird. So soll es dem Kind ermöglicht werden, später seine Identität zu erfahren. Die Beratungsstelle sollen die Frauen dann in einer Geburtshilfeklinik anmelden, wo sie unter Pseudonym entbunden werden.

Die Frauen seien in der Regel in einer absoluten Ausnahmesituation, betonte Rohde. Sie hätten die Schwangerschaft vor anderen verheimlicht, wollten sie selbst bis zum Schluss nicht wahrhaben und seien nie zu einem Arzt gegangen: "Die werden von der einsetzenden Geburt überrascht und gehen dann, wenn überhaupt, sofort in eine Klinik." Wenn es dann eine Beratung geben solle, müssten Beraterinnen auf Abruf bereitstehen, um mit in die Kliniken zu fahren. Das Netzwerk "Mirjam" betreibt einen Notruf und ein "Babykörbchen", bei dem Neugeborene anonym abgegeben werden können.

Auch die Hebamme Jutta Stukenborg hält das Beratungsangebot für realitätsfern. Sie habe selbst erst kürzlich eine anonyme Geburt betreut, berichtete die Kreisvorsitzende der Region Osnabrück im Niedersächsischen Hebammenverband. Die Frau sei erst im letzten Moment unter Wehen in die Klinik gefahren. Bislang hätten sich die Kliniken in einem solchen Fall in einer rechtlichen Grauzone bewegt: Zwar seien anonyme Geburten gesetzlich verboten, doch sie könnten eine Frau mit Geburtswehen nicht abweisen. Diese Ungewissheit werde immerhin jetzt aufgehoben.

Die evangelische Diakonie begrüßte hingegen am Dienstag das neue Gesetz. "Die vertrauliche Geburt ist eine überfällige Lösung, um schutzwürdige Belange der Schwangeren und das Recht des Kindes auf Auskunft über seine Herkunft gleichermaßen zu berücksichtigen", sagte Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland in Berlin. Mütter, Krankenhäuser, Ärzte, Hebammen und Behörden erhielten Rechtssicherheit.

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