Festgottesdienst zum 100jährigen Jubiläum der Bahnhofsmission Hildesheim

Nachricht 26. April 2014

Zwischenraum des Alltags

100 Jahre Bahnhofsmission HI
Das Team der Bahnhofsmission: Jan Meyer, Superintendent Helmut Aßmann, Sharon Platnerz, Sandra Pietzko, Bettina Gehrz, Mirjam Dzionsko, Silke Pohl, Dorothea Czarnetzki, Uli Meyer, Tim Karipanov. Foto: Christoph Möller, Kultur und Kommunikation.

Es ist schon ein kurioses Bild, das sich den Besucherinnen und Besuchern in der St. Andreas Kirche bietet. Der Altarraum ist bestückt mit Accessoires, die man sonst eher aus einem Bahnhof kennt: Eine alte Uhr, An- und Abfahrtspläne, sogar lederne Sitzbänke aus alten Eisenbahnwaggons stehen links und rechts vom Altar. Das ist ein passendes Arrangement für einen erfrischend ungewöhnlichen Gottesdienst, den Superintendent Helmut Aßmann zusammen mit dem Team der Bahnhofsmission zum 100. Jubiläum feiert. „Bahnhofsmission, das ist Kirche im Bahnhof“, sagt Aßmann zu Beginn des Gottesdienstes. „Da geht es auch schon mal etwas anders zu als sonst.“

Als dann zu Beginn der Feier plötzlich quietschende Geräusche einfahrender Züge zu hören sind, ist das kurz irritierend. Zum Glück rumpelt aber kein echter Zug durch das Kirchenschiff. Statt dessen begrüßt Bettina Gehrz die Gemeindemitglieder. Seit zwei Jahren leitet Gehrz die Bahnhofsmission, die sie als „Zwischenraum des Alltags“ bezeichnet, der stets Überraschungen bereithält: „Wenn in der Bahnhofsmission die Tür aufgeht, dann weiß man nie genau, was passieren wird.“ Pläne solle man sich zu Beginn eines Tages am besten gar nicht erst machen.
 
Die Bahnhofsmission befindet sich in der Trägerschaft des Diakonischen Werks Hildesheim. Dass sie seit 100 Jahren besteht, ist nicht zuletzt ein Verdienst der vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ohne die wäre die Arbeit zwischen Gleis 2 und 3 am Hauptbahnhof undenkbar. Wie sonst soll orientierungslosen älteren Menschen geholfen werden? Wer kocht Kaffee für einen Reisenden, der in Hildesheim nur kurz seinen ICE verlassen wollte, um seinem Sohn ein Paket zu übergeben, dann aber plötzlich die Türen zugehen und er festsitzt, während sein Gepäck weiter in Richtung Berlin fährt? Wer hilft beim Ein- und Umstieg? Und wer soll Gespräche führen mit Menschen, die sie nötig haben, weil sie zum Beispiel gerade auf dem Weg zur Beerdigung eines nahe stehenden Angehörigen sind? Die Bahnhofsmission bietet dort Geleit und Orientierung, wo sie nicht unbedingt zu erwarten sind: im hektischen Transitbereich des Bahnhofs.
 
Auch Bürgermeister Ekkehard Palandt lobt in seiner Grußrede die Arbeit der Bahnhofsmission: „Wir können dankbar sein für die Leute, die diese Einrichtung am Leben halten. Unsere Bahnhofsmission hat den Zug nicht verpasst.“
 
Der Gottesdienst ist nur ein Teil der Jubiläumsfaktivitäten, die sich bis zum Jahresende erstreckt. Unter dem passenden Motto „ZWISCHEN // RÄUME“ finden Ausstellungen, Lesungen und Konzerte statt, etwa mit der bekannten Cellistin Corinna Eickmeier. Die Bahnhofsmission zeigt, dass sie mehr sein kann als ein Ort des Helfens und Begleitens. Seit 100 Jahren wird hier Kirche und Kultur in einem bunten Miteinander gelebt, um einen Dialog zu schaffen zwischen den Menschen. „An diesem Ort habe ich Demut gelernt“, sagt Bettina Gehrz zum Abschluss der Feier. „Ohne die geistigen und seelischen Gaben wäre die Bahnhofsmission nicht das, was sie ist.“