EKD-Beauftragter: „Südsudan droht im Chaos zu versinken“

Nachricht 10. April 2014

Lokale Kirchen fordern sofortige Einstellung der Kriegshandlungen

„Dem erst im Jahre 2011 unabhängig gewordenen Südsudan droht eine ungeahnte Aus­weitung des Bürgerkriegs, die im schlimmsten Fall in einem Genozid endet und das Land unregierbar macht“, so der Beauftragte des Rates der EKD für den Sudan und Südsudan, Volker Faigle, und sagte weiter: Die Menschen im Südsudan brauchen dringend unsere Unterstützung zur Verbesserung der humanitären Lage.“

Der EKD-Beauftragte, der jetzt von einer Konsultation mit leitenden Kirchenführern aus dem Südsudan in Nairobi zurückgekehrt ist, berichtete, dass sich die Lage in dem noch jungen ostafrikanischen Staat von Tag zu Tag dramatisch verschlechtere. Faigle: „Friedensver­handlungen im äthiopischen Addis Abeba wurden zum wiederholten Mal vertagt, ein bereits im Januar vereinbarter Waffenstillstand wurde von keiner Seite respektiert. Schwerste Men­schenrechtsverletzungen sind an der Tagesordnung!“
 
Ausgelöst wurde der Konflikt im Dezember vergangenen Jahres durch Machtkämpfe inner­halb der früheren Befreiungsbewegung und jetzigen Regierungspartei (SPLM), angeführt durch Präsident Slava Kiir und seinem Opponenten, Riek Machar. Die Rivalitäten, die sich zunehmend zu einer Auseinandersetzung unter den beiden größten Ethnien entwickeln, haben inzwischen weit über zehntausend Menschen das Leben gekostet, nach UN-Angaben seien rund eine Million Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht.
 
Faigle: „Im Südsudan sind die Kirchen die letzte gesellschaftspolitisch anerkannte Kraft, die landesweit als glaubwürdiger Vermittler auftreten kann. Kirchenführer der verschiedenen Denominationen haben bei der Konsultation im kenianischen Nairobi ökumenischen Partner über ihre Friedensvermittlung informiert und dabei auch auf die katastrophale humanitäre Lage hingewiesen.“ Dringend müsse humanitäre Hilfe an die verzweifelten Kriegsopfer gebracht werden, so der EKD-Beauftragte weiter und zwar „noch vor der anstehenden Regenzeit.“ Dies werde wegen der eskalierenden Gewalt aber zunehmend schwieriger, und es drohe eine akute Hungersnot. Faigle: „Hinzu kommt, dass, sollten nicht bald in den Flüchtlingslagern entsprechende Vorkehrungen getroffen werden, der Ausbruch von Cholera und anderen Krankheiten vorprogrammiert ist.“ Deshalb, so Faigle abschließend, appellierten Vertreter der Kirchen des Südsudan an ihre kirchlichen Partner und deren Hilfswerke weltweit, ihre Katastrophenhilfe erheblich aufzusto­cken und für Frieden und Versöhnung im Südsudan zu beten.
 
 
Hannover, 11. April 2014
 
Pressestelle der EKD
Reinhard Mawick