Protestantismus gehört zu den Fundamenten des Sozialstaats

Nachricht 03. April 2014

Berlin/Hannover (epd). Der Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover, Gerhard Wegner, hat die Bedeutung des Protestantismus für die Entstehung moderne Sozialstaaten hervorgehoben. Auf dem Kongress "Protestantische Ethik und moderner Sozialstaat" am Freitag in Berlin sagte der Professor, religiöse Traditionen hätten die Herausbildung der Sozialstaaten in Europa entscheidend beeinflusst. Dies gelte nicht nur für die katholische Kirche, sondern auch für die Protestanten.

Schon Luther habe die Obrigkeit für soziale Aufgaben in die Pflicht genommen, erklärte Wegner. Die evangelische Theologie habe bei den Mächtigen allgemeine Fürsorge und soziale Verantwortlichkeit eingefordert und damit den Grund des modernen wohlfahrtsstaatlichen Denkens gelegt. Die ersten Sozialstaaten in Europa seien in konfessionell lutherisch geprägten Ländern entstanden. Dies gelte vor allem für Skandinavien, aber auch für Deutschland, wo die bismarckschen Sozialreformen das Fundament für das heutige Sozialsystem gelegt hätten.

Die Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017, Margot Käßmann, erinnerte daran, dass bei den Vorbereitungen zu dem Jubiläum in diesem Jahr die Wechselwirkungen zwischen der Reformation und der Politik im Zentrum stehen.

Der internationale Kongress über die konfessionellen Grundlagen moderner Sozialstaaten findet im Rahmen der sogenannten Lutherdekade zur Vorbereitung des 500. Geburtstags der Reformation im Jahr 2017 statt. Bereits seit 2008 weist die EKD mit Veranstaltungen im Rahmen der Lutherdekade auf das 500-Jahr-Jubiläum hin. Der legendäre Thesenanschlag Martin Luthers (1483-1546) an der Schlosskirche in Wittenberg markiert den Beginn der Reformation. Weltweit gibt es heute rund 400 Millionen Protestanten, die in der Reformation ihre geistlichen und konfessionellen Wurzeln sehen.

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