Sozialexperte: Ohne Kirche gibt es keine religiöse Kommunikation

Nachricht 31. März 2014

Münster/Hannover (epd). Angesichts abnehmender Kirchenverbundenheit hat sich der Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Professor Gerhard Wegner, für eine Stärkung der Ortsgemeinden ausgesprochen. Um wieder mehr Akzeptanz von Religion in der Gesellschaft zu erreichen, müsse die religiöse Kommunikation in der Kirche gefördert werden, sagte der Leiter des in Hannover ansässigen Instituts bei einer Tagung zur neuen EKD-Kirchenmitgliedschaftsbefragung in Münster.

"Kirchliche Kommunikation sollte nicht mehr so sehr nachfrageorientiert daherkommen, sondern die kirchlichen Angebote in den Mittelpunkt rücken", betonte Wegner. Er warnte davor, dass die Kirche aus Angst, gesellschaftlich nicht mehr anschlussfähig zu sein, in eine "Kultur der Harmlosigkeit" treibe. "Die Menschen wollen sich zu etwas bekennen, was einen Unterschied macht", sagte der Theologe. "Ohne Kirche gibt es keine religiöse Kommunikation in einem erkennbaren, größeren Umfang in der Gesellschaft."

Zugleich verwies er auf das soziale Engagement der Kirche: "Die Kirche als eine Art Agentur für sozialmoralische Vergesellschaftung brummt geradezu", sagte Wegner. "Wo die Kirche die Wärmestube der Republik ist, findet sie breite Anerkennung - selbst bei denen, die ihr sonst gleichgültig gegenüberstehen." Das soziale Engagement der Kirchen sei allerdings unmittelbar mit ihrer religiösen Dimension verbunden.

Anfang März hatte die EKD ihre fünfte Kirchenmitgliedschaftsbefragung veröffentlicht. Der Untersuchung zufolge spielt die Kirche für die Religion in Deutschland eine große Rolle. Die Umfrage ergab, dass 32 Prozent der Protestanten in Deutschland der Kirche allenfalls nur noch sehr schwach verbunden sind. 15 Prozent gaben an, der evangelischen Kirche sehr verbunden zu sein.

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen