Landeskirche: Null-Toleranz-Linie bei sexuellem Missbrauch

Nachricht 24. März 2014

Hannover (epd). Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers verfolgt nach eigenen Angaben im Blick auf sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen weiterhin eine "Null-Toleranz-Strategie". Die Kirche habe das Ausmaß der Prävention in jüngster Zeit erweitert, um einen größtmöglichen Schutz zu erzielen, sagte Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track dem epd. Am Montag hatte die katholische Deutsche Bischofskonferenz bekanntgegeben, Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche durch ein interdisziplinäres Forschungsteam aufarbeiten zu lassen.

In der evangelischen Landeskirche sei es in den vergangenen Jahren in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nur in wenigen Fällen zu sexuellem Missbrauch gekommen, sagte Gäfgen-Track. Inzwischen müssten Mitarbeiter über 18 Jahre, die eine Jugendfreizeit mit Übernachtung leiten, nach Art, Umfang und Dauer der Freizeit ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. "Wir verfolgen die Devise: Lieber ein Führungszeugnis zu viel als ein halbes zu wenig."

Mitarbeiter des Landesjugendpfarramtes gäben Schulungen in den 49 Kirchenkreisen der Landeskirche. Superintendenten seien angewiesen, jedem Verdacht nachzugehen und sich vor Ort mit der Jugendhilfe und Beratungsstellen zu vernetzen. "Wir wollen die Verantwortlichen sensibilisieren und die Kinder und Jugendlichen stark machen, damit sie sich wehren gegen Erwachsene, die ihnen zu nahe kommen", betonte Gäfgen-Track.

Auch Erzieherinnen in den 640 Kindertagesstätten, Lehrer an den evangelischen Schulen sowie angehende Pastorinnen und Pastoren würden geschult. Zudem gehe die Landeskirche Altfällen von sexuellem Missbrauch nach, damit Täter nicht wieder in Berührung mit Kindern und Jugendlichen kämen. Die hannoversche Landeskirche ist mit knapp 2,8 Millionen Mitgliedern zwischen Göttingen und der Nordsee die größte evangelische Landeskirche in Deutschland.

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