Experte fordert bessere Präventionsarbeit gegen Salafismus

Nachricht 02. März 2014

Verfassungsschutz beobachtet radikal-islamische Strömung

Hannover/Osnabrück (epd). Der Islam-Experte Rauf Ceylan hat angesichts der Planungen für ein radikal-islamisches Missionszentrum der Salafisten in Hannover eine bessere Präventionsarbeit gefordert. Deutschland sei noch immer Entwicklungsland, was die Vorbeugung gegen salafistische Missionierung angehe. "Wir reagieren erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist", sagte der stellvertretende Direktor des Instituts für Islamische Theologie der Universität Osnabrück am Montag im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Der salafistische Verein "Der Schlüssel zum Paradies" hatte angekündigt, in dem geplanten Missionszentrum unter anderem Seminare für Konvertiten anzubieten, die zum Islam übertreten wollen. Der Salafismus ist eine radikal-islamische Strömung, die eine ausschließliche Orientierung an den Prinzipien von Koran und Sunna verlangt. Einige Salafisten sind gewaltbereit und befürworten den "Heiligen Krieg", um einen Gottesstaat zu errichten. Derzeit kämpfen nach Angaben von Islam-Wissenschaftlern etwa 280 junge Erwachsene aus Deutschland in paramilitärischen Gruppen in Syrien.

Am Sonnabend hatte sich der Islambeauftragte der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Wolfgang Reinbold, in der hannoverschen "Neuen Presse" kritisch zum Salafismus geäußert. Danach wurde er auf den Internetseiten des Vereins von einem anonymen Autor der Hetze und der Lüge bezichtigt. Angriffe dieser Art kämen häufiger vor, sagte der evangelische Theologieprofessor und Islam-Experte. Die Salafisten seien nicht dialogbereit und wollten die Gesellschaft spalten. Zwar halte er es für realistisch, dass der Verein ein Zentrum in der Landeshauptstadt errichte, doch gebe es noch keinen konkreten Anhaltspunkt für eine Immobilie.

Dieser Einschätzung schließt sich auch der niedersächsische Verfassungsschutz an. "Es handelt sich bislang lediglich um eine Ankündigung", betonte ein Sprecher der Behörde. Der Verfassungsschutz beobachte die Salafisten seit 2011. In Niedersachsen sei die Szene vom politischen Salafismus geprägt, der sich vor allem missionarisch und propagandistisch betätige und Gewalt ablehne. 2012 schätzte die Behörde die Zahl der Anhänger bundesweit auf 4.500 und in Niedersachsen auf 300.

Der Islam-Experte Ceylan mahnte eine bessere religiöse Erziehung in den Moscheegemeinden und Schulen an: "Mit einer soliden religiösen Grundbildung geben wir den jungen Menschen die Möglichkeit, sich selbst einen religiösen Standpunkt zu erarbeiten, ohne dass sie in der Gefahr stehen, sich radikalisieren zu lassen."

Das geplante Missionszentrum sei keine Überraschung, sagte Ceylan. Ebenso seien Salafisten in der Vergangenheit in Nordrhein-Westfalen, Hamburg oder Berlin vorgegangen: "Sie versuchen etwa mit Koran-Verteilaktionen, in Moscheegemeinden oder Schulen junge Menschen zu ködern. Wenn die Resonanz aus ihrer Sicht gut ist, führen sie diese losen Strukturen dann an zentralen Orten zusammen."

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen