Notruf Mirjam: Babyklappen bleiben unverzichtbar

Nachricht 12. März 2013

Bundeskabinett will Einrichtung zugunsten einer vertraulichen Geburt langfristig abschaffen

Hannover/Berlin (epd). Das Bundeskabinett hat am Mittwoch eine neue Regelung für Schwangere auf den Weg gebracht, die bei der Geburt ihres Kindes ihren Namen nicht preisgeben wollen. Der Gesetzentwurf von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) zur "vertraulichen Geburt" sieht vor, dass Frauen nach der Geburt ihren Namen in einem Umschlag versiegeln lassen können. Nach einer Frist von 16 Jahren kann das Kind den Namen seiner Mutter zu erfahren. Heino Masemann, Geschäftsführer des Netzwerks "Notruf Mirjam" in Hannover, zu dem auch ein Babykörbchen gehört, begrüßte im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) die Initiative. Er warnte aber davor, die bundesweit rund 100 Babykörbchen abzuschaffen.

Schröder hatte in Berlin erklärt, mit dem Gesetzentwurf gebe es erstmals einen legalen Weg, um anonym zu entbinden. Die Babyklappen, bei denen Frauen ihr Kind ablegen können, und Geburten, bei denen Frauen ihre Daten verweigern, bewegten sich in einer rechtlichen Grauzone, betonte die Ministerin. Sie hofft, dass die vertrauliche Geburt diese beiden Angebote langfristig ablöst.

Masemann befürwortete die vertrauliche Geburt als zusätzliches Angebot. Gleichwohl mache es die anonyme Geburt und die Babyklappen aber nicht überflüssig. Mütter, die ihr Kind in ein Babykörbchen legten oder es anonym zur Welt brächten, seien in einer extremen Notsituation: "Selbst wenn nur ein Kind durch eine Babyklappe überlebt, haben sie ihre Berechtigung bewiesen."

Kinderrechtler und Ethiker pochen darauf, dass das Kind ein Recht hat, seine Herkunft zu erfahren. Dem setzte Masemann das Recht des Kindes auf Leben entgegen. Schröders Plan gehe davon aus, dass sich die Mütter vor der Geburt in Ruhe bei Beratungsstellen informierten. "Das mag am Schreibtisch in Berlin gut aussehen." Aber in der Realität wollten viele Mütter nie mit dem Kind in Verbindung gebracht werden. Allein die Vorstellung, in 16 Jahren könnte es Kontakt aufnehmen, trüge zu Angst und Panik bei.

"Mit dem 'Notruf Mirjam' haben wir eine Marke geschaffen, die bekannt ist, aber noch bekannter werden kann," sagte Masemann. Die Hilfeleistungen würden nur über Spenden finanziert. "Allerdings muss man einsehen, dass es immer wieder Frauen geben wird, die in ihrer Not die Hilfsangebote nicht annehmen", sagte Masemann.

Der "Notruf Mirjam" war vor elf Jahren von der damaligen Bischöfin Margot Käßmann und der hannoverschen Diakonie gegründet worden und wird inzwischen vom Landesverein für Innere Mission weitergeführt. Das Projekt unterhält neben dem "Babykörbchen" Wohn- und Ausbildungsangebote und rund um die Uhr ein Notruf-Telefon für schwangere Frauen mit der Rufnummer 0800/60 500 40. Auf Wunsch stellt das Netzwerk Kontakte zur evangelischen Adoptionsvermittlungsstelle her.

epd-Gespräch: Jörg Nielsen

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