Kloster Loccum feiert 850-jähriges Jubiläum

Nachricht 08. März 2013
Kloster Loccum
Foto: Jens Schulze

Landesbischof Ralf Meister, Abt D. Horst Hirschler und Landtagspräsident Bernd Busemann eröffnen am Donnerstag, dem 21. März 2013 um 11 Uhr das Jubiläumsjahr zum 850. Gründungstag des Klosters Loccum. An dem Festgottesdienst in der Klosterkirche wirkt neben Landesbischof Meister (Predigt) und Abt Hirschler auch der Generalabt des Zisterzienserordens, Mauro-Giuseppe Lepori, mit. Landtagspräsident Busemann eröffnet den Festakt, der an den Gottesdienst anschließt.

Zum Jubiläumsauftakt werden mehr als 1000 geladene Gäste aus Kirche, Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft erwartet.

Der NDR wird den Gottesdienst und Festakt als livestream im Internet übertragen (www.ndr.de/niedersachsen).

Im Jubiläumsjahr geben rund tausend Künstler und Akteure vom 21. März bis 31. Oktober mehr als 100 Konzerte und Lesungen zum Leitmotiv "Wort halten". Zum sieben Monate dauernden Jubiläumsprogramm in der frisch renovierten Klosterkirche und im Kloster gehören auch Klosterführungen, Andachten und Feste

Hinweis zur Berichterstattung: Journalistinnen und Journalisten melden sich bitte für die Teilnahme am Gottesdienst und Festakt an:
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Informationen zum Jubiläumsjahr:  Das komplette Festprogramm, Statements zum Jubiläum, touristische Infos und Hinweise zum Kartenvorverkauf steht auf der Projektseite www.klosterloccum2013.de.

Orgeleinweihung im Kloster Loccum

Loccum/Kr. Nienburg (epd). Das Kloster Loccum bei Nienburg hat am Sonntag, 10. März 2013 anlässlich seines 850-jährigen Bestehens seine neue Orgel eingeweiht. Das dreimanualige Instrument in der Klosterkirche kostet 996.000 Euro, wie das evangelische Kloster mitteilte. Den größten Anteil davon steuern Stiftungen und Sponsoren bei, sagte Abt Horst Hirschler: "Ich bin mit einem großen Klingelbeutel herumgegangen und habe viele Menschen gefragt, ob sie etwas dazu geben können." Das Festjahr zum Jubiläum beginnt im Kloster am 21. März.

Die von der Firma Seifert aus Kevelaer am Niederrhein gebaute Orgel verfügt über 37 Register und 2.414 Pfeifen. Der Orgelspieler kann zudem ein "spanisches Werk" mit sieben Registern hinzuschalten. Der Standort wurde leicht verändert: Statt auf einer Empore sitzt der Organist künftig auf einer Höhe mit dem Pastor und der Gemeinde. Im Jubiläumsjahr sollen hier international bekannte Organisten über vorgegebene Texte improvisieren.

Die alte Ott-Orgel aus dem Jahr 1956 wurde verkauft. Sie erklingt jetzt in der Nähe von Nizza. Eine Restaurierung hätte bereits die Hälfte eines Neubaus gekostet, erläuterte Hirschler. Die Loccumer Stiftskirche war in den vergangenen Jahren für 3,3 Millionen Euro umfassend restauriert worden.

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Klosterjubiläum 2013

Loccum/Kr. Nienburg (epd). Das evangelische Kloster Loccum bei Nienburg feiert in diesem Jahr sein 850-jähriges Bestehen. Das Jubiläumsjahr wird am 21. März um 11 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Klosterkirche eröffnet, der vom NDR-Fernsehen per Lifestream im Internet übertragen wird. Die Predigt hält der hannoversche Landesbischof Ralf Meister. Bis Ende Oktober sind im Kloster mehrere Hundert Veranstaltungen geplant, darunter eine Lesung mit dem Literaturnobelpreisträger Günter Grass. Das Jubiläum steht unter dem biblischen Motto "Wort halten". Die Initiatoren erwarten mindestens 150.000 Besucher.

Das Kloster gilt als geistliches Zentrum der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, der mit rund 2,8 Millionen Mitgliedern größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Heute werden dort in einem Predigerseminar angehende Pastorinnen und Pastoren für Niedersachsen und Bremen ausgebildet.

Zisterzienser-Mönche aus Volkenroda in Thüringen gründeten 1163 das Kloster. Die Geschichte ist in der wertvollen Klosterbibliothek mit 80.000 Bänden dokumentiert, deren Bestände lückenlos bis ins Gründungsjahr zurückreichen. Um 1600 wurde das Kloster evangelisch. Gemeinsam mit dem Kloster Maulbronn in Baden-Württemberg gilt Loccum als besterhaltenes Zisterzienser-Kloster nördlich der Alpen. Die Klosterkirche wurde zum Jubiläum für 3,3 Millionen Euro grundlegend saniert. Zudem erhielt die Kirche für rund eine Million Euro eine neue Orgel. Das Geld dafür stammt von Sponsoren.

Das Festprogramm umfasst mehr als 100 Musik- und Literaturveranstaltungen und 650 Klosterführungen. Der Gesamtetat liegt bei rund 500.000 Euro, die ebenfalls von Sponsoren kommen. Jeden Tag werden zu festen Zeiten drei Andachten gefeiert. Auf einer Wiese am Kloster entsteht zeitlich befristet ein großes Klostercafé. Erstmals seit Jahrzehnten wird von März bis Oktober 2013 eine Buslinie direkt von Hannover nach Loccum führen.

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Lebendige Tradition hinter dicken Mauern 

Das Kloster Loccum zwischen Weser und Steinhuder Meer hat viele Umbrüche und Krisen erlebt. Doch die Tradition der Zisterzienser blieb ungebrochen. Jetzt feiert das Kloster Jubiläum.

Loccum/Kr. Nienburg (epd). Sogar Reliquien sind noch da. Gut gesichert lagert etwa der kleine Finger des Heiligen Bonifatius (um 672-754) in einem Beutel hinter den dicken Mauern des Klosters Loccum bei Nienburg - ein Geschenk des Doms zu Fulda aus einer Zeit, in der Knochenreste von Märtyrern noch verehrt wurden. "Der ist schon zu Staub zerfallen", sagt Abt Horst Hirschler. "Aber der Staub wird anständig behandelt." Geschichten wie diese wird Hirschler (79) in den nächsten Monaten noch oft erzählen. Denn vom 21. März bis Ende Oktober blickt das Kloster auf sein 850-jähriges Bestehen zurück.

Das 1163 gegründete Zisterzienserkloster gilt als geistliches Zentrum der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Zwar leben dort heute keine Mönche mehr, doch an ihre Stelle sind junge Theologinnen und Theologen getreten, die das Klosterleben auf andere Weise fortführen: Sie werden in einem Predigerseminar zu Pastorinnen und Pastoren für ganz Niedersachsen und Bremen ausgebildet. "In Loccum hat sich in bundesweit einzigartiger Weise spätmittelalterliche Klostertradition erhalten", sagt der Kirchenhistoriker Hans Otte aus Hannover.

Seiner versteckten Lage, der protestantischen Ausrichtung und Zufällen der Geschichte ist es vermutlich zu verdanken, dass das Kloster die Jahrhunderte überdauert hat. Die Bilderstürme der Reformationszeit gingen an Loccum ebenso vorüber wie die Herrschaft Napoleons, die viele Klöster zum Erliegen brachte. In der wertvollen Klosterbibliothek mit ihren rund 80.000 Bänden und Urkunden ist die wechselvolle Geschichte bis in die Anfänge dokumentiert.

Sie beginnt am 21. März 1163 rund 35 Kilometer weiter südwestlich im Dom zu Minden. Dort stiftete Graf Wulbrand von Hallermund dem Zisterzienserorden das Land rund um die Burg Lucca, deren Reste heute noch im Klosterwald zu besichtigen sind. Im Frühsommer 1163 trafen daraufhin nach langem Fußmarsch zwölf Mönche und ein Abt aus dem thüringischen Kloster Volkenroda in Loccum ein, um den Grund und Boden urbar zu machen.

Bis zu 180 Mönche, Priester und Laien, beteten und arbeiteten in guten Zeiten in Loccum. In der stürmischen Reformationszeit blieben sie zunächst dem alten Glauben treu. Doch um 1600 ließen sie sich von Luthers Schriften überzeugen und wurden protestantisch. "Luther wies aus der Bibel nach, dass ein Mönch nicht leichter in den Himmel kommt als ein Handwerker", erläutert Horst Hirschler, der bis 1999 Bischof der hannoverschen Landeskirche war.

Mit dem neuen Glauben wurden auch die Reliquien plötzlich wertlos. Der lutherische Abt Gerhard Molanus (1633-1722) ließ deshalb Dutzende von ihnen auf dem Klosterfriedhof bestatten. An unbekannter Stelle, damit sie von "Altgläubigen" nicht wieder ausgegraben werden konnten. Doch einige liegen weiterhin im Kloster-Safe: "Es sind Erinnerungen an Christen, die für ihren Glauben den Kopf hingehalten haben."

Obwohl die Reformation einen tiefen Bruch bedeutete, hat das Kloster an vielen Traditionen festgehalten. Bis heute wird es von einem Abt, einem Prior und einem Konvent geleitet. Es gehört weiterhin offiziell zum katholischen Zisterzienser-Orden mit Sitz in Rom und zur Gemeinschaft der evangelischen "Zisterzienser-Erben".

Und Tag für Tag feiern Mitarbeiter und Gäste in der inzwischen umfassend restaurierten Klosterkirche so wie früher die "Hora": Lieder, Gebete, Bibeltexte, Schweigen. Jeden Abend um 18 Uhr. Seit 850 Jahren. Auch in Krisenzeiten wie im Zweiten Weltkrieg, als das Kloster als Lazarett diente, ist sie nicht ausgefallen. "Es war immer jemand da", erzählt Hirschler. "Das ist ein ganz hoher Wert und der geistliche Inhalt des Klosters." Für ihn ist sein Amt als Abt die schönste Aufgabe, die er sich vorstellen kann: "Dieses wunderbare Kloster mit Leben zu füllen, das ist das Beste."

Von Michael Grau. Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

Management mit Abt 

Ein evangelischer Abt hat bei der Versicherungsgruppe Hannover das letzte Wort - und das schon seit 263 Jahren. Die ungewöhnliche Partnerschaft ist für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation, wie auch das Jubiläum des Klosters Loccum zeigt.

Hannover/Loccum (epd). Diese Partnerschaft ist ungewöhnlich: Ein evangelischer Kirchenmann ist der oberste Repräsentant eines der größten deutschen Versicherer, der Versicherungsgruppe Hannover (VGH). "Der Abt zu Loccum steht unserem Hause seit 263 Jahren vor", sagt Vorstandsvorsitzender Hermann Kasten mit einem gewissen Stolz. Die historische Verbindung, die im alten Kurfürstentum Hannover ihren Anfang nahm, sei weltweit einmalig. Vom Pförtner bis zum Aufsichtsrat wird Abt Horst Hirschler in der Versicherung nur mit "Hochwürden" angesprochen.

Der Abt spiele in dem Unternehmen nicht nur eine Statistenrolle, sagt Kasten. Ihm wird mindestens zweimal im Jahr die Geschäftsentwicklung vorgetragen, er eröffnet die Hauptversammlungen des Hauses und hat ein Mitspracherecht bei Personalentscheidungen: "Bei der Besetzung von Spitzenpositionen hat er das letzte Wort." Auch bei wichtigen Geschäftsterminen wie zum Beispiel Treffen mit der Landesregierung ist der frühere hannoversche Landesbischof dabei.

Das bestätigt auch VGH-Veranstaltungsmanager Roger Cericius. "Sein Wort hat bei uns enormes Gewicht, und wenn es knifflig wird, mischt er sich ein." Er muss es wissen, denn das Unternehmen hat ihn auf Bitte des Abtes ausgeliehen, um bei der Vorbereitung des 850-jährigen Kloster-Jubiläums zu helfen. Mehr als 150.000 Menschen werden bis Oktober zu dem umfangreichen Festprogramm erwartet.

Hier in Loccum, eine knappe Autostunde von Hannover entfernt, nahm die jahrhundertealte Verbindung ihren Anfang. Ein Vorgänger Hirschlers, Abt Georg Ebell (1696-1770), entwickelte eine der ersten funktionierenden Feuerversicherungen in Deutschland. Sein Antrieb waren die Bauern, denen immer wieder die Höfe abbrannten. 1750 wurde der Vorläufer der Landschaftlichen Brandkasse Hannover gegründet, die inzwischen mit anderen Versicherern die VGH bildet.

Die Idee Ebells war revolutionär. Noch nie hatte es bis dahin für einen ganzen Landesteil inklusive der Bauernschaft eine Versicherung gegeben. Jeder Brandschaden wurde ersetzt. Als eine Art Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit hatte sie keinen Eigentümer und gab ihre Überschüsse den Versicherten zurück. Das ist genauso geblieben wie die Rolle des Abtes. Als Vorsitzender der Trägerversammlung der Brandkasse ist er noch immer oberster Repräsentant der Versicherungsgruppe.

Und so ist der uralte Gruß der Mönche "Die Tür steht offen, das Herz noch mehr" nicht nur das Motto des 1163 gegründeten Zisterzienser-Klosters, sondern auch das Leitmotiv der VGH. "Es prägt unseren Umgang miteinander", erläutert Kasten. Schon die Auszubildenden werden mit der Geschichte vertraut gemacht. Die leitenden Mitarbeiter ziehen sich zu Führungsseminaren hinter die Klostermauern zurück. "Das Kloster vermittelt uns in unserem Arbeitsalltag immer wieder jene Stille und Gelassenheit, aus der wir unsere Kraft und Stärke beziehen."

Diese enge Verbindung sei für die VGH von großem Nutzen: "Es ist keine Selbstlosigkeit, die uns antreibt, sondern eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten", betont Kasten. Dazu trägt sicherlich auch bei, dass die Landeskirche mit rund 8.000 versicherten Gebäuden der größte Einzelkunde des Unternehmens ist.

Inzwischen steht das Programm für das Jubiläum mit mehr als 100 Veranstaltungen und Gästen, darunter Literaturnobelpreisträger Günter Grass und Musikproduzent Mousse T. Erstmals seit Jahrzehnten richten die Verkehrsbetriebe sogar wieder eine direkte Buslinie von Hannover nach Loccum ein. Wie das gelingen konnte? Cericius lächelt. Das sei der Einfluss des Abtes: "Er ist der Schlüssel für jedes Schloss, das ich kenne. Ihm bleibt keine Tür verschlossen."

Von Ulrike Millhahn. Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

Das Stichwort: Das Kloster Loccum
 
Loccum/Kr. Nienburg (epd). Das Kloster Loccum am Steinhuder Meer wurde 1163 von Zisterzienser-Mönchen gegründet und wechselte um das Jahr 1600 zum evangelisch-lutherischen Glauben. Bis heute gehört es offiziell zum Orden der Zisterzienser und zur "Gemeinschaft Evangelischer Zisterzienser-Erben in Deutschland". Seit etwa 300 Jahren dient es als Predigerseminar für angehende Pastorinnen und Pastoren der hannoverschen Landeskirche und benachbarter evangelischer Kirchen.

Loccum gilt neben dem Kloster Maulbronn in Baden-Württemberg als das am besten erhaltene Zisterzienser-Kloster nördlich der Alpen. Es wird von einem Konvent, der mindestens zweimal im Jahr zusammenkommt, unter dem Vorsitz des Abtes geleitet. Mitglieder sind Pastoren und Juristen der Landeskirche. Derzeitiger Abt ist seit 13 Jahren der frühere hannoversche Landesbischof Horst Hirschler.

Zum Kloster gehört auch eine kostbare historische Bibliothek. In unmittelbarer Nachbarschaft des Klosters siedelte die Landeskirche die Evangelische Akademie Loccum an. Mit einem umfangreichen Kulturprogramm feiert das Kloster von März bis Oktober sein 850-jähriges Bestehen. Dafür wurde die historische Klosterkirche für 3,3 Millionen Euro umfassend saniert. Für weitere eine knappe Million Euro erhält die Kirche neue Orgel.

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen