Lebensberater fordern mehr Prävention gegen häusliche Gewalt

Nachricht 27. Februar 2014

Hilfen sollten schon in Krippen ansetzen

Hannover (epd). Lebensberater der hannoverschen Landeskirche haben dazu aufgerufen, das Thema häusliche Gewalt ernst zu nehmen. In den rund 30 Beratungsstellen zwischen Cuxhaven und Göttingen träfen die Mitarbeiter vermehrt auf stark zerstrittene Paare, sagte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Lebensberatung der evangelischen Landeskirche, Karin Jakubowski, am Freitag bei der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft und der Hauptstelle für Lebensberatung in Hannover: "Da haben wir ein hohes Aggressionspotenzial in den Beratungen sitzen."

Die Beratungsstellen seien ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen, ergänzte der Leiter des Evangelischen Beratungszentrums im Hannover, Axel Gerland. Nach wie vor sei die Scheidungsrate hoch und Trennungen seien mit tiefen Kränkungen verbunden. Zu körperlicher oder psychischer Gewalt komme es oft dann, wenn ein Partner emotional oder finanziell vom anderen abhängig sei. "Dann kann man nicht einfach gehen." Die Beratungsstellen könnten dabei helfen, die Position des jeweils anderen überhaupt erst wahrzunehmen.

Um Gewalt vorzubeugen, müsse sich aber auch gesellschaftlich etwas ändern, forderten die Lebensberater. Gewalt sei ein Ausdruck von Hilflosigkeit oder mangelnder Anerkennung, sagte Gerland: "Amokläufer waren oft Leute, die sich ausgegrenzt und isoliert fühlten."

Mit dem Gewaltschutzgesetz von 2002 hat sich Jakubowski zufolge in der öffentlichen Wahrnehmung etwas bewegt. Allein im Landkreis Harburg, in dem ihre Beratungsstelle liegt, gebe es pro Jahr etwa 200 Polizeieinsätze wegen häuslicher Gewalt. Dabei informiere die Polizei auch die Beratungsstelle, die dann ihre Hilfe anbiete. Das Thema werde öffentlicher. "Wir haben dadurch mehr Anmeldungen von Frauen und von Paaren."

Sabine Hufendiek vom Evangelischen Zentralinstitut für Familienberatung in Berlin unterstrich, Hilfen sollten bereits in den Kinderkrippen beginnen. Diese seien dafür aber personell häufig zu schlecht ausgestattet. Wenn ein Kleinkind ein anderes schlage, sollten Eltern zwar den Täter in die Schranken weisen. Anschließend sollten sie aber nicht nur das Opfer trösten, sondern auch den Täter beruhigend in den Arm nehmen. "Kinder brauchen eine gesicherte Bindung." Vor allem für Alleinerziehende sei das eine Herausforderung. Mit dieser Aufgabe dürfe die Gesellschaft Familien nicht alleinlassen.

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