„Für gerechtes und faires Wirtschaften eintreten“

Nachricht 14. Februar 2014

Schneider betont die politische Verantwortung der Kirche

Die Kirche ist nach Ansicht des EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider aufgerufen, für gerechtes und faires Wirtschaften, den Sozialstaat und eine aktive Friedenspolitik einzutreten. Das Eintreten für die Belange der Armen dürfe sich nicht in großzügiger Mildtätigkeit und Fürsorge erschöpfen. „Es geht in gleicher Weise um gerechte Strukturen“, sagte Schneider am 15. Februar in Kleve vor Mitgliedern deutscher und schweizerischer Rotary-Clubs.

In seinem Vortrag zum Thema „Reformation und Politik“ betonte der Ratsvorsitzende die politische Verantwortung der Kirche. Gottes Wort rufe in die politische Verantwortung im Interesse der Armen und Notleidenden und der Bewahrung der Schöpfung. Es schenke allerdings bis auf wenige Ausnahmen keine eindeutigen ethisch-politischen Handlungsanweisungen. „Das Evangelium wirkt wie ein Kompass, nicht wie ein Navi“, so Schneider wörtlich. Wer sich mit einem christlichen Wertefundament politisch einmische, müsse zudem bereit sein, „sich dem Widerspruch und der Kritik politisch anders denkender Christenmenschen auszusetzen“. Jesus Christus habe in seinem irdischen Leben zwar nicht den Weg der Gewalt und der politischen Machtausübung beschritten, sagte der EKD-Ratsvorsitzende. Aber er „wollte Veränderung und hat sie durch sein Reden und Tun auch bewirkt. Frömmigkeit und Gerechtigkeit waren für ihn unzertrennliche Schwestern.“

Wie zur Zeit Jesu gilt nach den Worten Schneiders auch heute: „Wenn wir Gottes Liebe und Gottes Gerechtigkeit nur im Jenseits verankern, dann verfehlen wir unser Leben.“ Die Gestalt ihrer politischen Verantwortung sei für die Kirche allerdings nicht identisch mit der Ausgestaltung der politischen Verantwortung des Staates, fügte Nikolaus Schneider hinzu. Er erinnerte an die in der Theologischen Erklärung von Barmen 1934 getroffenen Unterscheidungen: Danach habe der Staat die Aufgabe, „in der noch nicht erlösten Welt … für Recht und Frieden zu sorgen".

Aufgabe der Kirche gegenüber dem Staat sei es, „an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten" zu erinnern. Dabei gehe es im Kern um die Wahrung der Freiheit für beide Seiten, sagte der EKD-Ratsvorsitzende: „Die Freiheit des christlichen Glaubens soll vor der Bevormundung durch staatliche Macht bewahrt bleiben. Die Freiheit politischer Verantwortung soll vor klerikaler Bevormundung bewahrt bleiben.“

Hannover, 14. Februar 2014

Pressestelle der EKD Reinhard Mawick